Das Weihnachtsgeschäft ist für Popstars kein Neuland. Elvis Presley, Johnny Cash und Bob Dylan haben legendäre Weihnachtsalben veröffentlicht, Mariah Carey, Melanie Thornton und Wham! können Weihnachtslieder zu ihren größten Erfolgen zählen. Und auch 2020 wird der Markt wieder angegangen:

Ava Max, Honne, Finch Asozial, Finneas, Birdy, Cher, Die Erdmöbel, Slavik, Lil Nas X, Liam Gallagher und Cory Marks haben Singles rausgebracht – Calexico, Chilly Gonzales, Phoebe Bridgers, Jamie Cullum und weitere legen mit Alben oder EPs nach. Ein Aufkommen, das aufgrund der Pandemie stärker als sonst wirkt, wie sich in den Charts bemerkbar macht:

Feiertagsmusik liegt früher als sonst im Trend. Zu Hause lässt es sich wohl nicht nur ungenierter trällern; man hat nun auch die Zeit, sich die Songs anzuhören, die Wohnung zu schmücken und selbst zu backen. Welche Werke dafür besonders geeignet sind? Informieren Sie sich selbst, wir haben die neuesten Weihnachtsalben für Sie versammelt. 

Chilly Gonzales wünscht „A Very Chilly Christmas“ am Klavier

Den kanadischen Pianisten und Allround-Entertainer zu Weihnachten zu hören, ist immer eine gute Idee. Mit seinen freien Kompositionen changiert Chilly Gonzales seit Jahren zwischen Pop und Klassik, versammelt Fans auf beiden Seiten, jung wie alt. Auf seinem neuen Album „A Very Chilly Christmas“ hat er nun einerseits per Piano Hits wie „Jingle Bells“ gecovert und andererseits Lieder wie David Bermans „Snow Is Falling In Manhattan“ mit Feist und Jarvis Cocker weiterentwickelt. Die Sehnsucht nach Reisen und einem verschneiten Tag in New York wächst. Das ist nicht nur zum Hören schön, sondern vor allem zum Verschenken toll. 

Calexico feiern am Strand „Seasonal Shift“

Eigentlich wollte die US-amerikanische Rockband Calexico nur ein Weihnachtslied für ihre Fans aufnehmen, doch dann muss der Spaß dabei so groß gewesen sein, dass eine ganze Platte mit zwölf Liedern entstand. An John Lennons und Yoko Onos „Happy Xmas (War Is Over)“ haben sie sich genauso rangewagt wie an Tom Pettys „Christmas All Over Again“. Das war es dann aber auch mit den Pop-Klassikern. Die restlichen Stücke auf „Seasonal Shift“, zu denen „Mi Burrito Sabanero“ mit Sängerin Gaby Moreno gehört, klingen wie ein bunt gemischter Weihnachtscocktail am Strand. Mexiko, wir kommen - sobald wir wieder dürfen!

Annett Louisan steht dieses Jahr auf „Kitschmas“

Der Titel ihrer neuen EP nährt den Verdacht, dass sich die ostdeutsche Sängerin Annett Louisan der fröhlichen Weihnacht in ihrer Muttersprache nähern könnte. Doch so lustig oder auch unlustig  „Kitschmas“ klingt, Louisan trällert lieber auf English populäre Lieder wie „All I Want For Christmas Is You“ und „Have Yourself A Merry Little Christmas“ nach. Dazu ein leichtes Gitarrenzimpern und ihre etwas reibende Stimme. Neue Klassiker? Nö! Aber für Kuschelrock auf dem Sofa reicht's. 

Meghan Trainor trällert „A Very Trainor Christmas“

Das Albumcover sieht so aus, als wolle die 26-jährige US-Sängerin in Mariah Careys Christmas-Stapfen treten, doch stimmlich kann Meghan Trainor da nicht mithalten. Macht nichts. Die Pop- und R&B-Lieder, die sie auf „A Very Trainor Christmas“ versammelt, dienen als exzellente Hintergrundmusik fürs Geschenkeeinpacken. „I'll Be Home“ ist dabei das Versprechen, Weihnachten rechtzeitig zu Hause zu sein, „Holidays“ wirbt für ein fröhliches Weihnachtsfest.

Jamie Cullum ist „The Pianoman At Christmas“

Wenn man Jamie Cullum hört, kriegt man immer Lust, über den Boden zu schwingen, als wäre man ein eleganter Tänzer in einem angesagten Jazzclub bei Nacht. Und natürlich lässt es sich der britische Multiinstrumentalist nicht nehmen, auch auf seinem Weihnachtsalbum „The Pianoman At Christmas“ Lieder zu spielen, die Stimmung machen. Neben neuen Stücken wie „So Many Santas“ bietet der 41-Jährige auch Klassiker wie „Let It Snow“ an. Die kleine Weihnachtsparty kann starten.

Phoebe Bridgers Weihnachtsmotto lautet: „If We Make It Through December“

Die 26-jährige Kalifornierin gilt als nächste große Rockhoffnung. Klar also, dass die neue EP mit dem Klassiker „Silent Night“ nicht einfach nur nach „Stiller Nacht“ klingt. Mit Fiona Apple und Matt Berninger mischt Phoebe Bridgers ihre Version mit bedrückenden Radionews und einem satten Gitarrensound. Die Single „If We Make It Through December“ unterstreicht diese Stimmung und bietet das Motto der Corona-Stunde: Wenn wir es durch den Dezember geschafft haben, wird alles wieder gut. Der Impfstoff ist da, Lockerung in Sicht. Das lässt sich gut beim Abendmahl diskutieren und hören.

Deine Freunde schenken ihren Kindern „Das Weihnachtsalbum“

Angefangen mit einem Lied für einen Kindergarten, macht jetzt die Hamburger HipHop-Gruppe Deine Freunde schon fast seit zehn Jahren Musik für die Jüngsten unter uns. Dass mit „Das Weihnachtsalbum“ erst jetzt eine Platte für Heiligabend erscheint, überrascht fast. Doch ist sie wohl bei allen Eltern herzlichst willkommen, die genug von Rolf Zuckowskis Weihnachtsbäckerei haben. Bei Deine Freunde rappt man „Oh Oh Tannenbaum“ und singt in Anbetracht der Klimakrise: „Wann wird's mal wieder richtig Winter“. 

The Goo Goo Dolls verkünden an den Gitarren: „It's Christmas All Over“

Weihnachten geht auch an der New-Yorker Rockband nicht vorbei. „It's Christmas All Over“ heißt das neue Album der Goo Goo Dolls, eine Platte mit den üblich verdächtigen Christmas-Covern, die jedoch den Charme der Band beibehält: Es ist radiotauglicher Gitarrenpop, bei dem man sich spätestens nach dem fünften Glühwein in den Armen hängt. Für eine große Feier ungeeignet, für den zerstrittenen Familienkreis ein Segen. Cheers!

Jojo singt über das „December Baby“ - und meint nicht Jesus

Um Weihnachten herum Geburtstag zu haben, ist für den Betreffenden meist doof. Nur einmal Geschenke, die meisten Freunde sind zu Hause bei der Familie. Der US-Sängerin Jojo scheint dies aber egal zu sein. Ihren 30. Geburtstag am 20. Dezember legt sie gleich mit Weihnachten zusammen und nennt sich selbst „December Baby“. Ihr Album ist damit kein reines Weihnachtsalbum, sondern auch ein knapp halbstündiges berieselndes Geburtstagsständchen an alle Dezember-Kids, die allein vor der Instagram-Story feiern und auf smoothe R&B- und Pop-Filter stehen. 

„A Holly Dolly Christmas“ gibt es nur mit Dolly Parton

Country-Queen Dolly Parton gilt nicht erst seit ihrer diesjährigen Spende für die Erforschung eines Corona-Impfstoffes als Weihnachtsengel: Die mittlerweile 74-jährige Sängerin hat schon einige Weihnachtsalben veröffentlicht und auf Netflix sogar ein Weihnachtsmusical. Das Stück „Christmas On The Square“ ist aber nicht nur auf Netflix zu hören, sondern auch auf ihrem neuen Album „A Holly Dolly Christmas“. Eine Platte mit alten und neuen Klassikern, der Cyrus-Familie und Jimmy Fallon. Wenn man das hört, ist jetzt schon Heiligabend und alle haben sich lieb.

Sigur Rós beten „Odin`s Raven Magic“ an

Kann man Musik von den isländischen Postrockern Sigur Rós als Weihnachtsbeschallung verwenden? Natürlich! Mit den Komponisten Maria Huld Markan Sigfúsdóttir, Hilmar Örn Hilmarsson und Kantor Steindór Andersen sowie einem Chor und einem Orchester haben Sigur Rós ein pompöses Livealbum voller traditioneller Erzählungen aufgenommen, das märchenhafter als fast jede Weihnachtsendung im Öffentlich-Rechtlichen klingt. In Island hört man diese Art von Weihnachtsmusik sicher bei Mondschein mit den Weihnachtselfen. In Berlin klappt das gut unter der Wohnzimmerlampe mit den Kindern im Arm.

Atlantic Records ist mit seinen Künstlern „Still Home For The Holidays

„I Hate Christmas“ von der Soul-Sängerin Raiche ist der direkteste Anti-Weihnachtssong, den man auf dem Feiertagssampler von Atlantic Records findet - und er ist verdammt gut. Einen Kontrast zu den zwölf anderen R&B- und HipHop-Stücken bietet er allerdings nicht. „Still Home For The Holidays“, wie der Albumtitel lautet, meint tatsächlich unsere bittere Realität, in der man die ganze Zeit schon zu Hause ist, Partys via Facetime stattfinden und die Abende als Single noch nie so einsam waren. Holt die Taschentücher raus, dieses Jahr haben wir keinen Bock auf klingelnde Glöckchen. 

Robbie Williams beschert uns schon wieder „The Christmas Present“

Ein Weihnachtsalbum von Robbie Williams, warum kommt uns das so bekannt vor? Ach ja, weil der britische Musiker bereits letztes Jahr „The Christmas Present“ veröffentlicht hat und das Album jetzt digital nur noch mit der neuen Single „Can't Stop Christmas“ aufpeppt. „Repack“ nennt seine Plattenfirma dieses Procedere ganz nüchtern, die Fans indes sprechen von einem Pop-Geschenk. In der fernen Verwandtschaft gibt es bestimmt jemanden, der es gerne auspackt.

Swutscher liegen „Unterm Baum mit Swutscher“

„Ich bin müde und werde fett“ ist der wohl treffendste Satz fürs Weihnachtsfest. Das hat sich auch die Hamburger Rockband Swutscher gedacht und ihren Kneipenhit „Burnout Boogie“ kurzum in eine Weihnachtshymne verwandelt. Auf der Digital-EP „Unterm Baum mit Swutscher“ ist er neben „Schneeflöckchen“ zu finden - das klingt, wie Tresenmusik an Feiertagen eben klingt: derb, krachend, launig, gut.

Pentatonix gestehen im Chor: „We Need A Little Christmas“ 

An Chormusik und A-capella-Einlagen kommt man zu Weihnachten nicht vorbei. Doch es müssen ja nicht immer die typischen bitterernsten Weihnachtslieder sein. Die US-amerikanische A-cappella-Gruppe Pentatonix versammelt auf „We Need A Little Christmas“ 13 moderne Feiertagsklassiker, die sie ziemlich heiter vortragen. Wer heimlich für das Weihnachtskaraoke oder das Weihnachtssingen üben will, findet hier Inspiration. 

Bear's Den klimpern „Christmas, Hopefully“

Das britische Folktrio Bear's Den liebt das Pathos und auch das Drama in ihrer Musik. Das mag im Alltag nicht immer passen, doch auf ihrer neuen EP „Christmas, Hopefully“ kommt die Feierlichkeit mit all ihren Höhen und Tiefen genau richtig. Wenn man den Expartner im heimischen Kiez sieht, lässt es sich gut an die Bear's-Dens-Lieder denken, die wie bei einem Filmabspann die letzten Minuten musikalisch runterreißen.

Mariah Carey lädt zu „Mariah Carey’s Magical Christmas Special“ ein

Mariah Carey müsste nicht schon wieder ein Weihnachtsalbum machen. „All I Want for Christmas Is You“ stürmt wie jedes Jahr verlässlich die Charts und wurde allein 2020 unzählige Male gecovert. Doch die Popdiva scheint den Weihnachtsrummel zu lieben. Auf „Mariah Carey’s Magical Christmas Special“ versammelt sie 17 fröhliche Poplieder, die sie auch in dem gleichnamigen Apple-TV-Musical präsentiert. Die meisten Stücke kennen auch ihre Fans, bei „Oh Santa“ lässt sie diesmal Ariana Grande und Jennifer Hudson mitmachen. Das ist keineswegs schlecht, nur muss man für Mariah Carey, Zuckerstangen und Wichtelkostüme wirklich bereit sein. 

Brandao, Faber, Hunger sagen zu Weihnachten „Ich liebe dich“

Die Schweizer Musiker Sophie Hunger, Faber und Dino Brandao sind in der Coronakrise zu einer musikalischen Familie geworden. Und so eine Familie muss sich wohl öfter sagen, wie lieb sie sich hat. Zu Weihnachten schenken sie uns deswegen ein Album voller schweizerdeutscher Liebeslieder. Das klingt hin und wieder kitschig, mal aber auch bitterernst. Die Verwandtschaft aus Süddeutschland und alle Schweizer wird es bestimmt „Mega Happy“ machen, für die Berliner ist es endlich mal eine etwas andere Weihnachtsplatte.