Sich Mitte November so langsam Gedanken über den Adventskalender zu machen, ist nach herkömmlichen Maßstäben angebracht bis vorbildlich. Die Tütenvariante hat sich bewährt. Man geht einmal durch den Schreibwarenladen und einmal durch die Süßwarenabteilung. Zwei Kinder, das macht: 48 Kleinigkeiten in 48 Schulbrottüten stecken, diese bemalen, lochen, aufhängen, fertig. Ach, wie Dankbarkeit, Liebe sowie Welt- und Wichtelvertrauen in den Kinderaugen leuchten. Aber dann kam das Virus, und die Familie musste in Quarantäne. 

Es gibt dann einiges zu organisieren. Man ist auf die Kulanz von Hausärzten und die Hilfe von Nachbarn angewiesen, wenn man die Nase von Knäckebrot voll hat. Als wäre der Alltag nicht schon aufwändig genug. Und dann hockt man Tag für Tag, Mahlzeit für Mahlzeit aufeinander. Nette Leute, die Familie, keine Frage...

Vor die Tür gelegt

Zurück zum Adventskalender. Was tun, wenn der Gang zum Schreibwarenladen wegfällt? Der Versuch, Abhilfe per Onlinehandel zu schaffen, ist zum Scheitern verurteilt. Brauchbare Kleinigkeiten gibt es nur in Großpackungen, die teilweise aus Übersee herangeschafft werden müssen und Mitte Januar eintreffen würden. Die schon gefüllten Kalender sind keine Alternative (wenn man das oben erwähnte Weltvertrauen nicht erschüttern möchte).

Dann findet die Mutter den Schlüssel zum Glück, indem sie auf die Internetseite des örtlichen Schreib-, Spielzeug- und Geschenkeladens, Kreatiwiti im Treptower Park-Center, geht. Der Laden mag für viele Einzelhändler stehen, jedenfalls für die Möglichkeiten, die sie hätten. Natürlich ist eine Online-Bestellung möglich, man kann das Sortiment nach Kleinigkeiten für zwei Euro durchsuchen.

Die Mutter fragt in dem Formular zaghaft, ob die Sachen rechtzeitig geliefert werden, wegen Quarantäne und so... und bekommt Antwort: Leider nicht alles, eine Sache sei gerade ausverkauft. Sie hätten aber andere im Angebot, wie alt die Kinder seien, man könne entsprechend etwas zusammenstellen. Die Leute aus dem Laden sammeln die Geschenke, arrangieren und fotografieren sie, listen die Preise mit dem Kugelschreiber auf, schicken Fotos per SMS, nehmen die Änderungen entgegen. Das Geld ist überwiesen. Jetzt muss man nur noch auf die Post vertrauen.

„Ach wissen Sie was? Ich bringe Ihnen das Päckchen nach Feierabend vorbei und lege es Ihnen vor die Tür.“ Die Kinder können es hiermit bezeugen und dieser Zeitung gegenüber bestätigen: Es gibt sie, die Wichtel.