Selbst die Liebe ist kapitalistischen Gesetzen unterworfen. Niemand hat das illusionsloser beschrieben als die israelische Soziologin Eva Illouz. Auch wenn sich ihre Ausführungen auf die Liebe zwischen Menschen beziehen, musste ich an sie denken, als mich dieser Tage eine Kostenaufstellung für Haustiere erreichte. In Zeiten von Lockdown-Einsamkeit und Langeweile boomt dieser Markt. Tiere werden gekauft wie verrückt. Aber, ach! Was ist zum Beispiel eine Schildkröte teuer.

Nicht in der Anschaffung, da kostet sie rund 75 Euro. Aber die Kosten insgesamt, also auf ein ganzes Schildkrötenleben berechnet, summieren sich auf 28.750 Euro. Das liegt an der hohen Lebenserwartung von 95 Jahren. Aber will man wirklich eine Schildkröte?

Mit einem Schildkrötenpanzer kann man nicht kuscheln

Mit ihrem harten Panzer lässt es sich schlecht kuscheln. Und im Grunde müsste man die Anschaffung mit seinen Nachkommen absprechen, da sie einen aller Wahrscheinlichkeit nach überlebt. Das gilt natürlich nur dann, wenn das Tier sich nicht während des Winterschlafs verflüchtigt, so wie die Karoline in meinen Kindertagen. Im Frühjahr fanden wir in der Pappschachtel im Keller nur noch den leeren Panzer vor. Dabei war sie erst ein paar Jahre alt.

Das günstigste Tier mit Fell ist der Hamster. Er lebt durchschnittlich nur zwei Jahre und kostet in der Zeit knappe 500 Euro. Aber das Tier hat einen anderen Lebensrhythmus als die meisten Menschen. Wenn wir kuscheln wollen, will er schlafen. Eine Alternative wäre ein Meerschweinchen. Es schlägt jährlich nur mit rund 435 Euro zu Buche, aber aufgrund der Lebenserwartung von acht Jahren summiert sich das auf 3800 Euro. Ein Hund kostet 16.800 in seinem Leben, eine Katze rund 9000 Euro. Tiere sind aber wesentlich günstiger als ein Kind, für das die Eltern etwa 130.000 Euro ausgeben. Und dann ist es erst 18.

Wir halten uns angesichts dieser doch recht herzlos wirkenden Berechnungen lieber an Erich Fried: „Es ist Unsinn, sagt die Vernunft. Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“