Wenig Fortschritt beim Humboldt-Forum – Konzept fehlt: Endlich: Die Toiletten-Frage ist geklärt

Der Rohbau steht, das Konzept noch nicht. So lässt sich das Ergebnis der Kulturausschusssitzung zusammenfassen, auf der die Abgeordneten von Kultursenator Michael Müller den aktuellen Stand der Berliner Planung für das Humboldt-Forum erfahren wollten. Es gibt keinen Zeitverzug und auch keinen Grund zur Sorge, sagte Kulturstaatssekretär Tim Renner am Montag gewohnt gut gelaunt an der Stelle des Senators (beide SPD). Lediglich das „Toilettenprogramm“, so Renner, habe man in Absprache mit der Humboldt-Universität, mit der man sich die Etage teilt, geändert. Künftig wird der Besucher seine Bedürfnisse also nicht mit Blick auf die Alte Nationalgalerie verrichten dürfen, sondern neben den Fahrstuhlschächten. Dafür wird es keine bauliche Barriere mehr zwischen Universität und Land Berlin geben. Diese Planung „aus einem Guß“, wie Renner sagt, kostet 180.000 Euro zusätzlich. Das war’s.

Provinzielle Nabelschau

Die Abgeordneten beruhigte das nicht. Im März hatte Michael Müller das bisherige Konzept der Zentral- und Landesbibliothek einer „Welt der Sprachen“ für die Berliner Räume vom Tisch gewischt. Dafür hatte er zu Recht viel Applaus bekommen. Unter dem Titel „Welt.Stadt.Berlin“ sollte sich nun die Hauptstadt selbst auf den 4000 Quadratmetern in der Bel Etage des Humboldt-Forums präsentieren. Was man sich darunter vorstellen darf, liegt bis heute im Vagen. Daran hatte auch eine von der dazu beauftragten Kulturprojekte GmbH schnell zusammengeschusterte Ausstellung für das Richtfest im Juni nichts ändern können. Im Gegenteil. Diese „provinzielle Nabelschau“, wie es in dieser Zeitung hieß, verstärkte die Bedenken.

Nun, fünf Monate später, noch immer nichts Neues bis auf die Toiletten. Und das Warten auf den inzwischen berufenen, neuen Leiter des Stadtmuseums, Paul Spies, der im Nebenjob als Chefkurator des Berliner Auftritts fungieren wird. Noch aber leitet der Holländer das überaus erfolgreiche Stadtmuseum in Amsterdam und wird erst ab 1.Februar in Berlin mit voller Kraft die Arbeit aufnehmen können. Das alles sorgt für begründeten Unmut unter den Abgeordneten.

„Sie haben nicht das Recht, so konzeptionslos an dieses Schloss heranzugehen“, griff denn auch Gabriele Hiller von der Linksfraktion den Regierenden mit erhobener Stimme an. Die Bemerkung stieß einen munteren Reigen gegenseitiger Vorwurfsbekundungen an, wer wann für oder gegen das Humboldt-Forum war. Kultursenator Müller: „Erst einmal schön, dass die Linke sich endlich für das Humboldt-Forum interessiert.“ Mit ins Purpurne wechselnder Gesichtsfarbe erwiderte der linke Kultursprecher, Wolfgang Brauer darauf, es seien doch die Koalitionsfraktionen gewesen, die über die Jahre nur durch ihre Desinteresse an dem Projekt von sich reden gemacht haben. So lebhaft hat man diese Sitzung des Kulturausschusses selten erlebt.

Kein Stadtmuseum

Tatsächlich sind vom ehemaligen Kultursenator Klaus Wowereit vor allem die wechselnden Ausstiegsszenarien Berlins in Erinnerung. Zumindest das hat sich mit dem aktuellen Senat geändert. Michael Müller hat sich als Erster der Berliner Verantwortlichen mit Nachdruck zu dem Projekt Humboldt-Forum bekannt. Das erwähnen sogar die Grünen lobend. Soweit ist der Koalitionspartner CDU wohl noch nicht. „Ich habe Angst vor Begriffen wie Multiperspektivität“, sagte etwa Uwe Lehmann-Brauns, der zu viel Modernes fürchtet und an die große Zeit Berlins erinnert sehen will. „Der Besucher will wissen: Was war die Geschichte Berlins.“ Das mag sein. Dafür aber wird er ins Stadtmuseum gehen müssen. Denn das Humboldt-Forum soll gerade das nicht sein, ein Ort für Berliner Heimatgeschichte. Noch sind es vier Jahre bis zur Eröffnung. Bis dahin sollten auch die Abgeordneten die Idee verinnerlicht haben.