Geschichten über den Alltag von weißen Mittelschichtseltern.
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BerlinDer Anfang, so ehrlich muss man sein, ist nicht allzu vielversprechend. Schon auf dem Papier klingt die Comedy „Breeders“, eine amerikanisch-britische Koproduktion, nicht unbedingt nach einer Serie, die man sehen muss. Geschichten über den Alltag von weißen Mittelschichtseltern zwischen Überforderung und Heiterkeit gibt es auch fernab des traditionellen Sitcom-Formats in diesem Genre schließlich schon wie Sand im Meer, und nur in den seltensten Fällen überzeugen sie so sehr wie zuletzt „Catastrophe“ oder „Better Things“. Und dann ist auch gleich die erste Folge, die eigentlich nur vom Nicht-schlafen-Können und jeder Menge väterlicher Flüche handelt, inhaltlich einigermaßen flach.

Doch man tut sowohl „Breeders“ als auch sich selbst einen Gefallen, wenn man ein wenig Geduld und anfängliche Nachsicht mitbringt. Je weiter die erste, zehn Folgen umfassende Staffel (eine zweite ist bereits bestellt!) voranschreitet, desto mehr findet sie ihre Form. Dabei bleibt die Prämisse denkbar schlicht: Wir folgen Paul (Martin Freeman) und seiner Lebensgefährtin Ally (Daisy Haggard) durch die Höhen und Tiefen des Elterndaseins im Londoner Eigenheim, wobei ähnlich viel Raum wie die beiden Kinder Luke und Ava zwischendurch auch berufliche Sorgen, die eigenen Eltern (darunter Michael McKean als Allys lange abgetauchter, plötzlich der Obhut bedürfender Vater) und natürlich auch die Beziehung selbst einnehmen.

Vom Cockring in Opas Gepäck bis hin zum gleichermaßen unverschämten wie hilfsbereiten Nachbarn: Es sind die – manchmal wunderbar beiläufigen – Details, die „Breeders“ von der Masse abheben. Und der Tonfall, auch wenn der in dieser vom Hauptdarsteller Freeman gemeinsam mit Chris Addison und Simon Blackwell entwickelten Serie nicht immer einheitlich daherkommt. „Breeders“ ist deutlich böser und weniger gag-orientiert als etwa die oft zuckrig-hochglänzenden Sitcoms des US-Mainstreams à la „Modern Family“, was aber nicht heißt, dass nicht auch hier in manchen Episoden unerwartete Abstecher in emotionale, ja geradezu berührende Untiefen genommen werden. Ohne dass wiederum je die Ernsthaftigkeit oder auch Wahrhaftigkeit von „Better Things“ auch nur angepeilt wird.

Konstant sehenswert bleibt „Breeders“ mancher Unebenheit zum Trotz nicht nur durch die Rasanz der Dialoge, die – ähnlich wie in „Veep“ – immer ein wenig zu scharf und geschliffen klingen. Sondern vor allem dank des komödiantischen und darstellerischen Könnens des gesamten Ensembles. Ganz besonders hervorheben sollte man dabei die begnadet komische Daisy Haggard, die hierzulande trotz Rollen in „Episodes“ oder „Black Mirror“ noch so gut wie unbekannt ist. Auch in der Hoffnung, dass sich bald jemand findet, der ihre eigene, selbst kreierte Comedy-Serie „Back to Life“, von der es ebenfalls eine zweite Staffel geben wird, nach Deutschland holt.

Breeders ab 4. August immer dienstags 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky