Einem Mann wird der erste Sohn geboren, und er beginnt, über seine neue Rolle als Vater zu schreiben. Solche Bücher gibt es einige,  aber Etgar Keret, Jahrgang 1967,  lebt in Israel, und als er vor dem Kreißsaal in einem Tel Aviver Krankenhaus sitzt,  werden auf der Intensivstation gerade die Opfer eines Terroranschlags versorgt.

Ein Radioreporter erkennt ihn und  spricht ihn an, in der Hoffnung, einen originellen O-Ton zu bekommen: „Lass dir Zeit, du musst ja traumatisiert sein.“ Er ist dann enttäuscht, weil  Etgar Keret nur ein Kind bekommt. Seinem frischgeborenen  Sohn  Lev verspricht Etgar Keret später, dass alles im Mittleren Osten geklärt sein wird, wenn er groß ist. Es ist eine der  Lügen, die man seinen Kindern erzählt. In Israel scheinen es noch ein paar mehr zu sein, als im Rest der Welt.

Privat geht vor Katastrophe – dieser Spruch funktioniert in diesem Land nicht. Das eigene Leben und das Unglück draußen sind miteinander verwoben,  man kann nichts dagegen tun. Davon erzählen die autobiografischen Vater-und-Sohn-Geschichten  Kerets  in  leichtem, ironisch-humorvollen Ton.  „Sag mal“, fragt eine Mutter Etgar Keret auf dem Spielplatz, „wird Lev in die Armee eintreten, wenn er groß ist?“  

Lev ist da zwei Jahre alt, und  Keret kommt es ein bisschen früh vor, sich darüber Gedanken zu machen. Über anderes dagegen denkt er sehr wohl nach, etwa darüber, wie man die unvermeidbaren Unglücke und Katastrophen  verbrämen, wie man sie für sein Kind verkleiden kann. Als eine Sirene erklingt, die vor den Raketen der Hisbollah warnt, spielen sie Pastrami-Sandwich, statt sich einfach auf den Boden zu werfen: Mama ist unten, Lev in der Mitte und Papa oben. Wie lustig! Und wie quälend!
Etgar Keret ist  auch Sohn. Sein Vater   hat  Krebs, er wird sterben, und das ist traurig, aber es ist  der Lauf der Welt. Doch in Israel ist selbst das ein wenig anders. Wer den Holocaust überlebt hat, für den ist am Leben zu sein, ein Sieg, und das Sterben ist noch schwerer zu akzeptieren, als für alle anderen.