Die Tonanlage der Waldbühne ist mangelhaft. Mussten wir in der Montagausgabe in der Besprechung der „Zauberflöte“ der Deutschen Oper eine gewisse Unsicherheit einräumen, ob der exzentrisch proportionierte Klang auf den Dirigenten oder die Abmischung zurückzuführen ist, so haben wir nach dem Konzert des West-Eastern Divan-Orchesters am Sonntag nun Gewissheit: Die Mikrofone sind falsch gehängt und die Spuren miserabel gemischt.

Auch in diesem Konzert bilden die Streicher keinen homogenen Klang, bemerkt man Unregelmäßigkeiten der Bogenführung, die normalerweise untergehen würden, fallen Bläsereinsätze unangemessen scharf und vordergründig aus. Spielen die Streicher einen pianissimo-Akkord klingt der wie aus einem miesen Synthesizer gequetscht, und zwischen den Sätzen wird die Waldbühne mit einem vielstimmigen Blättergeräusch gefüllt. Für Hifi-gewöhnte Ohren war die Verstärkung in der Waldbühne nie sonderlich ersprießlich – aber so schlecht klang sie noch nie.

Grenzen überwindende Kraft

Nun kommt gleich die Frage: Kommt es in der Waldbühne darauf an? Gewiss, nicht so richtig. Und wenn man jetzt auch noch am West-Eastern Divan Orchester herumnörgeln würde, schallt einem die Frage zum zweiten Mal entgegen: Kommt es darauf an? Das West-Eastern Divan Orchester ist eines der wenigen Projekte, in denen der abgedroschene Satz von der Verständnis stiftenden, Grenzen überwindenden Kraft der Musik zumindest ein utopisches Potenzial entfaltet. Denn die Idee des Gründers und Chefdirigenten Daniel Barenboim zielt auf gemeinsame Arbeit von jungen Musikern aus Israel, Palästina und anderen arabischen Nationen. Es geht um den Nachweis, dass Spannungen und Verständnisbarrieren abgebaut werden können, wenn man gemeinsam etwas schafft. Wozu muss das die ganz große Kunst sein? Weil sich eben daran die Qualität der Zusammenarbeit ermessen lässt.

Daniel Barenboim demonstriert sein Anliegen nur im Musizieren. Weder werden während des Konzerts Reden geschwungen, die auf das Offensichtliche verweisen, noch ist die Auswahl der Musikstücke irgendwie politisch tendenziös. Auch hier gilt daher: Wenn die Kunst es nicht bringt, bringt es nichts anderes.

Es besteht im engeren, orchestertechnischen Sinn dann auch nicht viel Anlass zum Nörgeln. Seit Anfang August ist das Orchester auf Tournee, es hat in Buenos Aires acht Konzerte gespielt, war dann in London, in Salzburg und Luzern. In der Waldbühne hat es nun seine diesjährige Arbeitsphase abgeschlossen. Das Programm hat sich also eingespielt, und wenn etwas negativ auffiel, dann eine gewisse Tourneemüdigkeit. So richtig begeistern konnte es nicht.

Begeistertes Publikum

Wolfgang Amadé Mozarts letztes Klavierkonzert, ist in seiner Subtilität gewiss kein Stück für die Waldbühne. Es klang in Barenboims Vortrag am Klavier zärtlich und nuanciert, unter seiner Stabführung zuweilen etwas derb, im Ganzen ziemlich unspezifisch.

Und ähnlich ging es nach der Pause mit Maurice Ravel weiter – naturgemäß effektvoller, unter Abzug jenes geisterhaften pianissimos, das die Anfänge der Malaguena oder der Habanera aus der „Rhapsodie espagnole“ prägt: Entweder hört man es nicht, oder es fällt zu laut aus. Recht heftig gesteigert wird die zweite Episode der „Pavane pour une infante défunte“: Da wird das Stück plötzlich dramatisch und in gar zu physischer Weise ausdrucksvoll.

Das Programm endet mit einem recht flott genommenen Boléro, in dem die Solisten sich mal mehr, mal weniger gut präsentieren und Barenboim vorne bis auf wenige Zeichen stille steht. Je mehr Musiker das ostinate Thema spielen, desto weniger verführerisch klingt es, desto weniger gelingt das melodische Hüftenwiegen, die Orchestermasse hebt am Ende nicht ab.

Der Begeisterung des Publikums, das die Waldbühne zu drei Vierteln füllte, tat das keinen Abbruch.