Es gibt wahrscheinlich nur verteufelt wenige Moderatoren auf dieser Welt, die behaupten können, schon einmal von Robbie Williams angekündigt worden zu sein. Seit Samstagabend gehört Markus Lanz dazu.

Völlig unerwartet stand der britische Superstar zu Beginn von „Wetten, dass ..?“ auf der Bühne, stimmte versonnen „Let Me Entertain You“ an und bemerkte sodann vollkommen richtig, dass nicht er durch den Abend führen werde, sondern: Markus Lanz! Applaus, Auftritt Showmaster, der sofort ans Klavier, Williams singt weiter zu der nun vierhändigen Klavierbegleitung – das nennt man mal einen spektakulären Showbeginn. Und leider, leider, leider wollte Lanz, dass exakt das jeder merkt. Ohne Wenn und Aber.

„Wow!“, deklamierte Lanz also. „Wow! Hui!“ Und weil es das ZDF nun einmal wollte, dass es dem Gottschalk-Nachfolger diesmal in Bremen komplett wow ums Herz wurde, folgte ein nicht völlig aus der Luft gegriffenes „Hallo Bremen!“, bevor es Zeit für ein weiteres „Wow“, aber auch ein atemloses „Hui“ wurde. Was in diesem Augenblick noch niemand ahnen, wohl aber fürchten konnte: Drei Stünden später hatte Lanz den offiziellen „Wow“-Weltrekord gebrochen, aber nicht signifikant weniger oft auch allerlei „sensationell“, „fantastisch“ und „ganz großartig“ gefunden. Ebenfalls beliebt: „Oh mein Gott!“

Internationale Stars treffen provinzielle Piefigkeit

So gesehen muss „Wetten, dass ..?“ ein Riesenspektakel gewesen sein. War es aber nicht. Dabei war – wie gesagt – Robbie Williams anwesend. Und Halle Berry. Und Tom Hanks, der – so Superlativ-Lanz – „größte Schauspieler dieser Erde“. Doch irgendjemand im neuen Wow-Universum des ZDF muss auf den diabolischen Gedanken gekommen sein, dass internationale Startum mit den Abgründen deutscher Humor-Provinzialität und niederschmetternder Piefigkeit zu konfrontieren. Und das hing auch mit Cindy aus Marzahn zusammen.

Im Vorfeld der zweiten „Wetten, dass ..?“-Ausgabe mit Lanz war die Frage, ob die wuchtige Komikerin nun final zur amtlichen Show-Assistentin gekürt werde, ja mit einer Aufgeregtheit diskutiert worden, als ob eine erneute Kanzlerschaft Helmut Schmidts im Raum stünde. Doch statt Cindy kam Atze Schröder im Cindy-Outfit auf die Bühne, seine Kollegin habe es leider im Rücken, müsse deshalb daheim bleiben, habe aber eine Videogrußbotschaft geschickt. Die wurde dann auch prompt gezeigt und endete mit der Knallerpointe, sie, Cindy, müsse nun leider mal aufs Klo. Grölendes Gelächter. Vielleicht war das der Moment, in dem sich Halle Berry mental von dieser befremdlichen Sause verabschiedete.

Verhinderte RTL den Auftritt von Cindy?

Warum Cindy fehlte? Nach brandheißen Informationen der „Bild am Sonntag“ hatte RTL etwas dagegen. Atze Schröder ist auch bei RTL groß geworden. Warum hatte RTL nichts gegen seinen Auftritt? Beim ZDF scheint man den Kölner Sender jedenfalls für eine endlos sprudelnde Quelle fulminanter Wahnsinnsalleinunterhalter zu halten. Beim nächsten Mal ist aber Cindy wieder mit dabei. Halle Berry eher nicht.

Der Höhepunkt der Sendung ist kurz erzählt: Ein Jo-Jo-Virtuose zog mit seinem Jo-Jo Tischdecken von Tischen und hätte mit seinem wild herumsausenden Spielgerät beinahe auf einen Streich den fortan sehr besorgten Lanz und den bizarr frisierten Unterhaltungsgeiger David Garrett niedergestreckt. Als sich der Attentäter in Kandidaten-Gestalt dem Tisch näherte, an den Halle Berry drapiert worden war, schützte Lanz die Augen des Hollywood-Stars fürsorglich mit seinen Moderationskarten. Sehen musste sie jetzt nichts mehr. Wahrscheinlich hätte sie liebend gerne auch nichts mehr gehört.

Der Jo-Jo-Spieler wurde später dann Wettsieger, vor Menschen, die Nagellackmarken am Aussehen und Zahnarztbohrermarken am Klang identifizieren konnten. Eigentlich hatte diese Show alles, um einen in komatöse Gleichgültigkeit niedersinken zu lassen. Doch hin und wieder fuhr man dann doch auf. Hatte Lanz gerade wirklich wie aus dem Nichts von Jutta Speidel wissen wollen, wie sie das „Problem“ gelöst habe, dass ihr Lebensgefährte am liebsten komplett unter der Bettdecke schlafe, sie aber bevorzugt bei geöffnetem Fenster? Hatte er Halle Berry tatsächlich gefragt, ob es nicht komisch sei, sich am Filmset gelegentlich vor ganz vielen Menschen ausziehen zu müssen? Und hatte er Barbara Schöneberger ernsthaft – Gipfel der Exzentrik – dazu verpflichtet, bei verlorener Wette vor laufender Kamera – festhalten! – singen zu müssen?

"Tom, Sie müssen das nicht tun"

Nach längerem Nachdenken muss man wohl konstatieren: Hatte er. Wow, wow, wow. Dass aber Folgendes wirklich geschehen ist, möchte man nicht glauben. Da will man sich weigern. Doch es gibt Beweise. Beweise dafür, dass Lanz allen Ernstes einen Zuschauer im Sackhüpfen herausgefordert hat und die Aufgabe nicht zuletzt darin bestand, um die prominenten Gäste herumzuhüpfen, die wiederum aufgerufen waren, die Bremer Stadtmusikanten darzustellen. Darunter Tom Hanks, der stoisch eine Katzenmütze auf dem Haupte trug und sich resigniert Atze Schröders Sackwitze anhörte. „Tom, Sie müssen das nicht tun“, hatte Lanz noch gesagt. Er habe eh keine Würde mehr im Leib, hatte der zweifache Oscar-Preisträger müde geantwortet. Dann wurde losgehüpft. Sensationell. Fantastisch. Ganz großartig. Hui.

Oh mein Gott.