Karlsruhe/Köln - „Wetten, dass…?“ aus Karlsruhe war erst eine gute Stunde zugange, da geisterte im Netz schon das Bonmot vom „Wagenknecht-Effekt“ umher. Sarah Wagenknecht ist jene inzwischen noch berühmtere Politikerin im roten Kostüm, um die sich Markus Lanz in seiner Talkshow „Markus Lanz“ nicht sachgemäß gekümmert hat. Er ließ sie quasi links liegen, woraufhin sich bei einer gewissen Maren Müller unbändiger Zorn in einer Online-Petition entlud. Deren Inhalt („Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr“) dürfte inzwischen ganz Mediendeutschland bekannt sein.

„Wagenknecht-Effekt“ bei „Wetten, dass…?“ bedeutet nun, dass Markus Lanz nach der Wagenknecht-Karambolage offenbar genug von Frauen vor der Kamera hat. Europas einst größte Samstagabendshow, in der früher einmal Pamela Anderson über eine Motorhaube schrubbte, Iris Berben ihr Gipsbein zeigte und Victoria Lauterbach auf einer Kloschüssel umher flitzte, blieb diesmal fast komplett Doppel-X-Chromosom-freie Zone. Frauen, die auch mal ausführlich zu Wort kommen wollen? Nada. Niente. Null. Vielleicht hat deshalb Markus Lanz ausnahmsweise mal pünktlich um 22.45 Uhr Schluss gemacht mit „Wetten, dass…?“.

wer braucht da die Frauen?

Es waren also optimale Bedingungen für den in den vergangenen Tagen so schlimm geknechteten Gastgeber. Erst kurz nach 22 Uhr durfte die schwangere Yvonne Catterfeld ihre 7-Monats-Kugel auf die Bühne schieben. Und im Prinzip ließen sie Markus Lanz und sein Lieblingsgast aus Essen-Kray, Atze Schröder, auch ausreden, damit sie ihren neuen Romantikfilm im ZDF bewirbt.

Lanz und Schröder wedeln übrigens nach eigenen Angaben einmal im Jahr zusammen über die Pisten der Dolomiten. Freundschaft verbindet und verpflichtet zugleich, und so machte der Testosteron-Bomber aus dem komischen Fach für Lanz bei „Wetten, dass…?“ sozusagen die Ersatz-Blondine, die zuständig war für geschmeidige Übergänge zwischen Wetten und Gästen. Beinahe hätte Schröder sogar noch Liam Neeson geküsst, wenn der nicht, ach Hollywood, zum Flieger hätte eilen müssen. Wer braucht bei so viel Homophilie noch Frauen?

Ungestört amüsierte sich Markus Lanz mit seiner Männer-Clique, zu der noch Max Kruse (Fußball), Peter Maffay („Halleluja“), James Blunt (Gitarre), Hans Sigl (Dr. Brinkmann der Berge) und 100 (!) Bauarbeiter aus Karlsruhe und Umgebung gehörten. Letztere mussten sich zu „YMCA“ von den Village People bewegen als Teil der Stadtwette, die Markus Lanz zu Show-Beginn mit dem bemerkenswerten Satz ankündigt hatte: „Wenn Ihnen die Baustellen in Karlsruhe stinken, dann machen Sie eine Online-Petition – oder kommen Sie zu uns.“

„Diese Wette wird Deutschland verändern“

Na, geht doch! Ein netter Witz aus dem Mund jenes Mannes, der in den vergangenen Tagen wieder mal besonders hart geprügelt wurde, sich den Petitions-Stress aber nicht anmerken ließ. Demonstrativ entspannt gab sich Lanz. Volle Konzentration auf die Wetten, die originell und, Überraschung, fast ausnahmslos von Männern gespielt wurden.

Besonders die Wette von René Albert aus Köln-Mülheim schien es dem Wahl-Kölner angetan zu haben: „Ich glaube, diese Wette wird Deutschland verändern“, sagte Markus Lanz. Aus Kölner Sicht lief’s aber dann nicht ganz so gut. René Albert verpasste es knapp, 30 Pfandflaschen in zweieinhalb Minuten aus dreieinhalb Metern Entfernung in einen Automaten zu bugsieren. Es bleibt jetzt abzuwarten, was Supermarktleiter ab Montag zu berichten haben.

Alles in allem: eine über weite Strecken gelungene Show – der der Wagenknecht-Effekt aber doch nichts genützt hat. Gegen die Dschungel-Amazone Larissa auf RTL war kein Ankommen. Erstmals wollten mehr Zuschauer „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ sehen als „Wetten, dass…?“.

Nicht auszudenken, dass das nervenstarke Lanz-Solo (ohne Michelle!) aus Karlsruhe jetzt womöglich obendrein eine weitere Petition trüben könnte: „Rein mit Frauen in ,Wetten, dass…?‘“, oder so? Ach, nein.