Als Hape Kerkeling im vergangenen Oktober in der Talkshow von Markus Lanz zu Gast war, wollte der von ihm wissen: „Du magst dich?“ Und: „Hast du eine Antwort auf die Frage bekommen, wer du bist?“, „Liebst du dich selber?“ Kerkeling fiel es sichtlich schwer, sich darauf einzulassen.

Zum Glück hatte Lanz aber nicht nur Markus-Lanz-Fragen vorbereitet – sondern auch welche, die ein paar Tage zuvor bereits dem SZ Magazin eingefallen waren: Ob er manchmal an den Figuren zweifelt, in die er fürs Fernsehen schlüpft? Ob er auch den Papst parodieren würde? Und ob er als junges Talent auch zu Dieter Bohlens „Supertalent“ gegangen wäre, wenn es das damals gegeben hätte?

Krokodil beim Stabhochsprung

Wahrscheinlich ist es das, was das Magazin Stern meinte, als es dem 42-Jährigen in der vergangenen Woche bescheinigte, er bereite sich immer „akribisch“ auf seine Sendung vor. Und vielleicht ist der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut tatsächlich der Überzeugung, Lanz habe „hart an seiner Talkshow“ gearbeitet. Aber reicht das als Begründung dafür, Europas größte Samstagabendshow einem Mann anzuvertrauen, dessen Interviewtalent daraus besteht, dass er die Fragen anderer mopst und sie mit der eigenen Pseudoesoterik mischt?

Die Kerkeling-Sendung mag ein Extrem gewesen sein, ein Ausrutscher war sie nicht. Lanz' komplette Talkshow funktioniert so. Seit Januar sitzt wöchentlich ein anderer Teilnehmer des diesjährigen RTL-Dschungelcamps bei ihm und erzählt noch einmal, was er bereits vor einem Millionenpublikum Persönliches gebeichtet hat. „Markus Lanz“ ist Parasitenfernsehen, das davon lebt, mit Gästen das wiederzukäuen, was die vorher schon einmal erzählt haben. Der Moderator fragt nicht nach, er fragt ab, was ihm seine Redaktion vorher ausgedruckt hat.

Ein typischer Lanz-Satz beginnt so: „Sie haben mal gesagt…“. Er macht mentale Häkchen hinter das, was erledigt ist, und wenn ein Gast die erwartete Geschichte an der falschen Stelle erzählt, unterbricht er: „Darüber werden wir gleich noch zu reden haben.“ Lanz ist im wahrsten Sinne Stichwortgeber. Er fragt: „Was passierte da? Sie waren in einer Bibliothek.“ Dann weiß der Interviewte, dass jetzt die Sache mit der Bibliothek kommen soll.

All das sind keine besonders guten Voraussetzungen für seinen neuen Job. Denn bei „Wetten, dass..?“ muss Lanz künftig den Gesprächsstoff liefern, von dem er in seinen Sendungen bisher nur zehrt.