Sonntagmorgen in Hamburg-Tonndorf. Mehr als hundert „Lanz kocht“-Zuschauer warten auf dem Gelände des Studio Hamburgs zwischen weiß getünchten Aufnahmegebäuden und großen Lastzügen am Gebäude A5 auf Einlass. Es ist warm, viele stehen im Schatten eines Wagens der Studio-Feuerwehr. Die ZDF-Kochshow ist beliebt, wer am Eingang seine Ticket-Bestätigung vorlegt, fünf Euro zahlt und eine Platzkarte bekommt – jüngere Leute nach vorne –, hat sich vor mindestens einem halben Jahr angemeldet. Im Studio macht sich Ernüchterung breit, zu Hause vor dem Fernseher wirkt alles weitläufiger und die gepolsterten Sitzbänke sehen deutlich bequemer aus. Ein Animateur geht die Spielregeln durch, bevor ein paar Runden Applaus aufgezeichnet werden: Es ist die erste von drei „Lanz kocht“-Sendungen, die an diesem aufgenommen werden, ausgestrahlt wird die Ausgabe im Oktober, genau einen Tag bevor Markus Lanz am 6. Oktober in Düsseldorf zum ersten Mal „Wetten, dass ..?“ moderieren wird.

Jetzt tritt er entspannt aus der Kulisse, schmaler Anzug, tailliertes Hemd. Er bittet sein Publikum ironisch um „frühherbstlichen“ Gesichtsausdruck und erklärt einem Zuschauer, dessen Flip-Flops kämen garantiert nicht ins Bild. Für Lanz ist die Koch-Sendung ein Heimspiel, die Köche Alfons Schuhbeck, Tim Mälzer, Stefan Marquard, Alexander Herrmann und Andreas C. Studer sind ganz alte Bekannte.

Gleichermaßen Thron wie Schleudersitz

Die Diskussionen um „Wetten, dass ..?“ und Markus Lanz waren eher unerfreulich und zugleich eine Fallstudie über öffentlich-rechtliche Personalpolitik. Lanz war nur die dritte Wahl des ZDF, sowohl Hape Kerkeling als auch Jörg Pilawa hatten die Moderation abgelehnt. Es dauerte ein fast Jahr nach Thomas Gottschalks Rücktrittserklärung bis ZDF-Intendant Thomas Bellut im März mit Lanz den Gottschalk-Nachfolger präsentieren konnte.

Seitdem versucht das ZDF einerseits, den Ball flach zu halten, damit Lanz nicht gleich an den überbordenden Erwartungen scheitert. „Sieben Millionen Zuschauer auf Dauer wären gut“, sagte Bellut am Dienstag der in Mainz erscheinenden Allgemeinen Zeitung, „acht Millionen sehr gut“. Thomas Gottschalk holte an guten Tagen mehr als zehn Millionen vor die Fernseher. An sehr guten waren es auch mal 13 Millionen und mehr. Andererseits muss das ZDF die Erwartungen der Zuschauer schüren, damit die Sendung nach der langen Pause tatsächlich genügend Menschen einschalten. Sie soll überraschender und lebendiger werden, sagt Bellut. Und: Sie müsse einfach nur perfekt sein.

Insofern ist die „Wetten, dass .. ?“-Moderation gleichermaßen Thron wie Schleudersitz, Auszeichnung wie Mühlstein für Markus Lanz. Der gebürtige Südtiroler hat sich diszipliniert hochgearbeitet: Zum ZDF war der Journalist und langjährige RTL-Boulevard-Mann als Urlaubsvertretung für Johannes B. Kerner gekommen, im Sommer 2008 übernahm Lanz dauerhaft dessen Sendungen. Dienstags bis donnerstags moderiert er die Talkshow „Markus Lanz,“ freitags folgt „Lanz kocht“. Hier wie da werden die Stärken und Schwächen des Fernsehmannes sichtbar.

Schlagfertig, hartnäckig und gut vorbereitet

Die Stärken: Er ist sympathisch und wirkt natürlicher als Pilawa und Kai Pflaume, deren Lächeln oft einstudiert und steinern aussieht, im Gespräch sucht Lanz das „Du“ und die Augenhöhe. Die Schwächen: Für Politik eignet sich Lanz’ Moderationstechnik eher nicht. Im Februar 2011 lässt er in einer Sendung über Kindesmissbrauch Til Schweiger fast ungestört gegen „das deutsche Gutmenschentum“ wettern und eine Meldepflicht für Sexualstraftäter fordern, in diesem Frühjahr verunglückt sein Gespräch mit FDP-Chef Philipp Rösler zum „Lehrstück über Propaganda im Gewand der Familienunterhaltung“, wie die FAZ damals schrieb. Solche Patzer sind allerdings selten.

In seinen Sendungen während der Fußball-Europameisterschaft spürte man förmlich, wie sich Markus Lanz für die kommende große Aufgabe warmlief. Schlagfertig war er da, gelegentlich hartnäckig und in jedem Fall gut vorbereitet. Die Stimmung unter den Gästen verstand er geschickt hochzuhalten, ohne dass sie in Albernheiten umschlug. Wenn diese Sendungen als Blaupausen dienen sollen, muss einem um „Wetten, dass ..?“ nicht bange sein, jedenfalls dann nicht, wenn man mit einer heiter-unterhaltsamen Familienshow einverstanden ist.

An diesem Sonntag in Hamburg muss sich Lanz nicht als Moderator, sondern als Mediator beweisen: Es gibt einen Streit zwischen Schuhbeck und Mälzer, die Stimmung wird kühl. Man hört und sieht durch das Dutzend Techniker und sechs Kameras hindurch nicht viel, merkt aber, wie professionell Lanz die Situation entschärft. Bis Ende des Jahres soll er seine bisherigen Sendungen fortsetzen – Arbeitspensum eines ZDF-Hoffnungsträgers.