Berlin - Die Pandemie macht erfinderisch. Immer ungeduldiger werdende Kulturschaffende wollen es nicht länger hinnehmen, zur Untätigkeit verdammt zu sein und arbeiten intensiv an neuen Formaten zur Hervorbringung ihrer künstlerischen Kreativität. Die Unterhaltungsbranche wie die Künste erleben gerade einen Digitalisierungsschub, von dem noch gar nicht abzusehen ist, wie stark er Veranstaltungsformen verändern wird, die man bislang unter dem Stichwort Präsenzkultur zusammenfassen konnte. Wo Menschen zusammenkommen, rezipieren sie nicht einfach nur ein Kulturangebot, sondern erleben sich auch in der Gemeinschaft.

In diesem Sinne ist es mehr als nur launige Randnotiz, dass man in der Karnevalshochburg Köln derzeit versucht, einen alternativen Karnevalszug auf die Straße zu bringen. Der Rosenmontagsumzug soll dort in einer Miniaturversion erstmals nur im Fernsehen stattfinden. Dazu werden die geplanten Persiflage-Wagen in einem viel kleineren Maßstab original nachgebaut, statt einer Zuglänge von sonst 8,2 Kilometern, stehe nun eine Zuglänge von 70 Metern auf einer Bühne. Anstelle der üblichen 12.000 Zugteilnehmer werden 177 Puppen des lokalen Hänneschen-Theater aufgeboten. Der WDR wird am Rosenmontag dann eine 90-minütige Dokumentation übertragen. Ob mithilfe einer solchen Lösung aus der Konserve die zu diesem Anlass berühmte und berüchtigte Volksstimmung aufkommen kann, sei dahingestellt. Die Karnevalisten wollen es wenigstens versucht haben.

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