Die Himmelsscheibe von Nebra.
Foto: dpa/Anne Pollmann

Es scheint ein großes Drama zu sein: Zwei Wissenschaftler aus München und Frankfurt am Main, Rupert Gebhard und Rüdiger Krause, behaupten, dass die 1999 gefundene Himmelsscheibe von Nebra, dieses hinreißend schöne Instrument zur Bestimmung von Jahres- und damit Landwirtschaftszeiten, möglicherweise nicht aus Nebra stamme. Die bisher als zugehörig geltenden Schwerter seien gar nicht zugehörig und zur Datierung also unbrauchbar. Auch zeigten die Fotografien Spuren, die nicht zur bisherigen Story passen. Das Scheibchen mit seinen Goldeinlagen stamme nicht aus der Bronze-, sondern aus der Eisenzeit, sei nicht 3700, sondern nur 2700 Jahre alt, also kaum älter als das legendäre, 753 v. Chr. begründete Rom.

Eine Schmach, der sofort der Hüter der Scheibe, Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, entgegentrat: Alles Unsinn. Alles sei vielfach überprüft und durch Materialanalysen bestätigt. Immerhin, er zog nicht gleich auch noch die leidige Polit-Beleidigungskarte, nach dem Muster: Reiche Westdeutsche gönnen armen Ostdeutschen nicht mal den Nebra-Ruhm. Gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte er, dass die Kollegen nur intrigierten, weil er die Echtheit eines von Gebhard und Krause als hoch bedeutend betrachteten Goldfundes im bayerischen Bernstorf angezweifelt habe.

Meller muss sich schon aus Selbstachtung vor das Alter der Nebraer Scheibe stellen: Vehement hat er mit diesem Stück einen Entwicklungsvorsprung Mitteldeutschlands in Astronomie-Fragen behauptet. Und er hat mit dem Welterbetitel einen Wirtschaftsfaktor aus der Scheibe gemacht. Aber solch ein Streit gehört zur Wissenschaft wie das richtige Setzen von Fußnoten.

Also sehen wir weiter zu: Die Scheibe von Nebra hat abgesehen von den etwa 20 Jahren seit ihrer Entdeckung rein gar nichts mit deutscher, bayrischer, schwäbischer oder sachsen-anhaltinischer Geschichte zu tun. Es geht um die Bronze- oder die Eisenzeit. Und hätten Gebhard und Krause recht, stünde das heutige Sachsen-Anhalt zwar deutlich hinter den Großtaten der Sterndeuter Babylons und schon gar Ägyptens an – aber immer noch weit vor denen der Mayas. Auch das reicht für den Welterbetitel.