Andreas Kalbitz.
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BerlinAm Donnerstagvormittag trudelte beim RBB ein Schreiben des DJV Berlin JVBB zu einem Thema ein, das eigentlich schon als erledigt galt. Der Journalistenverband monierte, der Sender habe in seinem Sommerinterview mit Andreas Kalbitz (AfD), dem Rechtsextremisten „mit einem weitgehend unkritischen Fernsehformat eine Plattform zur Darstellung seiner ,Sachpolitik‘ geboten“.

Zu diesem Zeitpunkt lag das Geplauder mit dem brandenburgischen AfD-Vorsitzenden an einem lauschigen See bereits elf Tage zurück. Längst hatten diverse Medien und Parteien sowie der Pressesprecher des DJV-Bundesverbands das Sommerinterview mit dem Verfassungsfeind scharf kritisiert. Sogar RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein, der anfangs das Format noch verteidigt hatte, ruderte in der Zwischenzeit zurück und erklärte, man hätte bei der Vorbereitung des Interviews „deutlich besser sein müssen“.

Allein der DJV Berlin JVBB blieb seltsamerweise stumm. Und als er sich dann endlich äußerte, tat er das inhaltlich zwar unmissverständlich. Unterschrieben hatte der Verbandsvorsitzende Christian Walther das Schreiben aber nicht. Es ist nur mit dem Wort „Vorstand“ gezeichnet.

„Ich hätte mir eine deutlich schnellere Reaktion des DJV-Landesverbandes in der Region Berlin-Brandenburg gewünscht“, sagt der stellvertretende Verbandsvorsitzende Bernd Lammel, der auch dem RBB-Rundfunkrat angehört. Er hatte bereits am 7. Juli vorstandsintern auf ein Schreiben an den RBB gedrängt.

Doch innerhalb des Vorstands wurde mehr als eine Woche heftig darüber gestritten, ob und wenn ja, wie man sich zu dem fragwürdigen Interview äußern sollte. Dies geht aus einem Mailwechsel zwischen diversen Vorstandsmitgliedern hervor. Der Vorsitzende Walther war zumindest anfangs gänzlich gegen eine Wortmeldung. Der Verband verstünde sich nicht als „Medienkritiker“, schrieb er in einer Mail. Und überhaupt: Er habe „auf der Basis der Fernsehausstrahlung (…) wenig Kritik am Interview“.

Auf Anfrage sagt Walter, er halte es für falsch, von Einschätzungen des Verfassungsschutzes abhängig zu machen, wen man interviewen dürfe. Der Schlusssatz des Verbandsschreibens sei „ein Affront“ gegen die RBB-Kollegin, die das Interview geführt hatte. Dort heißt es, was Berichte zum Rechtsextremismus angehe, habe der RBB „das geeignete Personal dafür in seinen Reihen“.

Hauptberuflich arbeitet Walther als freier Journalist auch für den RBB. Einen Interessenkonflikt in der Auseinandersetzung um das Sommerinterview will er aber nicht erkennen. Bei einer Abstimmung über das Schreiben soll Walther sich der Stimme enthalten haben. Er mag sich zu seinem Abstimmungsverhalten nicht äußern. Die Vorstandsmitglieder Andreas Oppermann (RBB) und Klaus Enderle (Deutsche Welle) sollen dagegen gestimmt haben.

Walther, Oppermann und Enderle waren Mitglieder des JVBB, der sich erst Anfang des Jahres mit dem DJV Berlin zum DJV Berlin JVBB vereinigte. Dass im Streit um das Kalbitz-Interview alte Rivalitäten zwischen den einst konkurrierenden Verbänden aufgebrochen sein könnten, mag Walther nicht erkennen. Er erklärt seine gemeinsame Position mit Oppermann und Enderle vielmehr damit, dass das Trio den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus eigener Anschauung besser kennen würde, als die übrigen sechs Vorstandskollegen.