Die Stars schreiten über recycelte Fischernetze und aus den Weltmeeren gefischte Plastiktüten.
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Berlin Wer dieser Tage im Berlinale-Palast einen Film sieht, geht  über ein Teppich gewordenes gutes Gewissen. Der rote Läufer ist nämlich aus Plastik- und Nylonmüll recycelt, aus Fischernetzen und Plastiktüten also, die sonst die Weltmeere und Fischmägen verseucht hätte. Nachhaltigkeit ist auch darüber hinaus ein Thema. Die  Berlinale identifiziert sich mit den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen, die etwa vorsehen, bis 2030 weltweit Zugang zu hochwertiger Bildung zu ermöglichen, Klimaschutz umzusetzen und für die Gleichstellung der Geschlechter zu sorgen. Was ein Filmfestival dazu beitragen kann, außer Initiativen wie „Bring your own cup“ zu fördern? 

Erstaunlich viel, und einiges tut die Berlinale schon seit langem, indem Berlinale Talents junge Filmschaffende aus der ganzen Welt fördert, indem es den Teddy Award gibt, und der World Cinema Fund die Entwicklung des Kinos in armen Regionen fördert, dieses Jahr etwa den Eröffnungsfilm im Panorama „La Mil y Una“, der in einer Sozialsiedlung im armen Norden Argentiniens spielt.

Solarbetriebenes Kino-Kit

Neu ist das Projekt Talents Footprints, bei dem es um gesellschaftliche Initiativen geht, die einen Filmbezug haben. Und so saß am Donnerstag Nazuko Poni auf einem Talents Podium und erzählte von den Sunboxes, die ihre NGO Sunshine Cinema in abgelegene Orte Südafrikas, Malawis, Sambias und Simbabwes bringt. Das ist ein gelber Koffer mit einem solarbetriebenen Kino-Kit, das sie leider nicht habe mitbringen können, da die Lithiumbatterien darin immer für Schwierigkeiten beim Sicherheitscheck am Flughafen sorgen würden. Sunshine Cinema bildet junge Leute  aus – Sunbox Ambassadors – die Filmvorführungen in ihrer Ortschaft organisieren. Sunshine Cinema stellt Filme zur Verfügung, die für Diskussionsstoff sorgen. Es geht um häusliche Gewalt, Korruption, Landrechte, Aids.

Wo es keinen Strom gibt

Mit Sonnenenergie betriebenes Kino ist nicht nur umweltfreundlich, es funktioniert vor allem auch dort, wo es keinen Strom gibt, wie vielerorts in Afrika. Das ist auch die Basis des von dem Künstler Olafur Eliasson gegründeten Sozialunternehmens Little Sun. Zwei Mitarbeiterinnen stellten dessen Solarlampe vor, die wie eine kleine Sonne aussieht. Nazuko Poni ließ sie nicht mehr aus der Hand. Sie könnte leuchten, wenn die Leinwand schwarz geworden ist.