Ich war im Büro, als mich ein aufgeregter Anruf meiner älteren Tochter erreichte. Ein Riesenstrauß für mich sei abgegeben worden. Daran hänge ein goldener Umschlag! Wenig später schickte sie ein Foto. Nach einer Anstandspause kam die Nachricht, er komme von einem Peter. Sie hatte vor Neugier platzend die Karte gelesen, auf der sich dieser Peter für seine Vergesslichkeit entschuldigte. Wer das sein könnte, wusste ich auch nicht. Ich war verwirrt und hatte sogar den Verdacht, es könne sich um eine Verwechslung handeln.

Als ich abends nach Hause kam, hatte das jüngere Kind sogar bei der Großmutter in Heidelberg Nachforschungen angestellt: Ob sie wisse, ob ich einen Peter kenne? Ich wusste selber nicht weiter und ging die gespeicherten Telefonnummern durch.

Peter ist ein häufiger Vorname in meiner Generation, doch ich habe nur einen Studienfreund mit diesem Namen, er lebt in Süddeutschland. Ob das ein nachträglicher Geburtstagsgruß war, auch wenn er mir rechtzeitig gratuliert hatte? Die Kinder wandten ein, dieser Peter kenne doch den Blumenladen auf dem Kottbusser Damm nicht, dessen Bote die Blumen gebracht hatte. So etwas könne man im Internet recherchieren, klärte ich die sogenannten Digital Natives auf. Ich solle ihn sofort anrufen, verlangte das jüngere Kind. Dafür war es an diesem Abend schon zu spät. Ich schrieb ihm eine Nachricht. Die Antwort fachte die Neugier der beiden noch mehr an: Wäre mal eine Idee. Du hast aber wohl mehr als einen Verehrer, der Peter heißt, schrieb er.

Die Vergesslichkeit meines Kollegen hat sich gelohnt

Erst beim Zähneputzen kam mir die Erleuchtung, und ich stellte die Verbindung zwischen dem Strauß und einem Kollegen her, der in den letzten Wochen immer mal wieder etwas vergessen und mich dadurch ein wenig in die Bredouille gebracht hatte. Den Satz „Es wäre nicht nötig gewesen“ verbannte ich sofort aus meinen Kopf. Wäre es nicht, aber der Strauß ist wunderschön, und ich habe mich sehr gefreut. Pfingstrosen, sage ich nur. Danke!

Es war jetzt fast Mitternacht, die Kinder schliefen schon. Ich wollte sie eigentlich am nächsten Morgen aufklären, aber etwas hielt mich zurück. Es ist viel zu reizvoll, sich in ihren Augen von der das Frühstück richtenden, nach der Erledigung der Hausaufgaben fragenden Mutter in eine Frau verwandelt zu haben, der ein geheimnisvoller Unbekannter Blumen schickt. Die Vergesslichkeit meines Kollegen hat sich für mich wirklich voll gelohnt.