Berlin - „Mein ganzes Leben war nichts als ein ständiges Überreden“, hat Hitler gesagt und damit einen zentralen Punkt seiner Karriere benannt: Von Reden auf Parteiversammlungen, für die er Schauspielunterricht nahm, über bühnenreif inszenierte Auftritte in Nürnberg und anderswo bis zu endlosen Monologen im Führerhauptquartier. Das überrascht insofern, weil Hitler, anders als Stalin, der seine Untergebenen sich um Kopf und Kragen reden ließ, als Tatmensch galt, der lange schwieg und blitzartig zuschlug, wie Bismarck es vorexerziert hatte.

Zur Überbrückung coronabedingter Lockdowns lese ich gerade „Krieg und Frieden“ von Tolstoi, ein tausend Seiten langes Epos, das ebensogut „Reden und Schweigen“ heißen könnte: Während Napoleon, der negative Held des Buches, einen Kometenschweif von Reden, Proklamationen und Briefen hinter sich herschleppt, zieht sein Gegenspieler Kutusow sich die Decke über den Kopf und schläft, statt Lagebeurteilungen abzugeben oder Befehle zu erteilen, wie Tolstoi schreibt:

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