Philipp Weber ist der Verbraucherschützer unter den Kabarettisten. 
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BerlinNur zehn Prozent unserer Käufe dienen essenziellen Bedürfnissen, erklärt Philipp Weber – und in diesen Wochen dürften es noch viel weniger sein. Ein Kabarett-Programm über die Mechanismen des Marketings passt zur Vorweihnachtszeit besonders gut.

 Der aus dem Odenwald stammende Weber spielt das Thema zunächst an der eigenen Profession durch. Zwar will er als aufklärerischer Kabarettist natürlich kein „Büttel des internationalen Konsumkapitals“ sein, aber auch er muss ja Publikum locken. In Süddeutschland tritt Philipp Weber in großen Häusern auf, im Norden ist er bisher Geheimtipp geblieben. Mit dem Titel seines fünften Programms „No 5 – Ich liebe ihn“ bedient er sich er bei der Werbung von Chanel bis McDonald’s. Dabei hat er längst einen eigenen Ruf erarbeitet. Der Naturwissenschaftler, der Abschlüsse in Biologie und Chemie hat, gilt als der Verbraucherschützer unter den Kabarettisten, hatte sich zuvor ebenso lustvoll wie lustig mit dem Essen und dem Trinken auseinander gesetzt

Der Verstand ist machtlos

Auch in seinem aktuellen Programm reibt er sich nicht nur mit besonders nervenden, hohlen oder aggressiven Werbesprüchen, sondern erklärt die neuroanatomischen Hintergründe. Da steigt der Zuschauer in die Maslowsche Bedürfnispyramide ein und erfährt, warum die Emotionen zwar massiv den Verstand beeinflussen – aber der Verstand kaum die Gefühle. Philipp Weber, der ununterbrochen babbelnd und giggelnd über die Bühne tigert, echauffiert sich nicht nur über Paula, die rappende Pudding-Kuh von Dr. Oetker, sondern plädiert für ein Verbot von Werbung, die sich an unter 12-Jährige richtet.

Viagra für die Frau

Die Wirkung auf Erwachsene demonstriert er gern an sich selbst. Da zählt der Küchengeräte-Fetischist auf, warum er so viele Arten von Milchschäumern und ein 45-teiliges Messerset haben muss, mit Messern zur „Lardieren“ – auch im Saal wusste keiner, was das überhaupt ist. Am Beispiel der Pharma-Industrie zeigt er auf, wie über das Marketing neue Medikamente eingeführt werden. Um „rosa Viagra“ für die Frau zu verkaufen, musste zuvor „sexuelle Unlust“ zur Krankheit gemacht werden.

Dabei ist der konsumkritische Weber immer ein politischer Kopf geblieben, denn mit Verlustängsten lassen sich ja nicht nur Produkte verkaufen, und Parteien, die „Sicherheit“ anbieten, sind meist erfolgreicher sind als jene, die „Gerechtigkeit“ versprechen. Nur wenige Kabarettisten schaffen es, einen solchen Bogen zu schlagen und dabei nicht nur die Lachmuskeln im Bauch, sondern auch das Hirn gleichermaßen anzusprechen.