Nach zwei Stunden plötzlich der Satz: „Was glaubst du eigentlich, du, Saujude, du – ?“ Die Regieanweisung im Text will, dass er gebrüllt wird. Aber Bernd Stempel brüllt nicht. Kein Satzbellen, kein Silbenschleudern. Er spricht mit einer scharfen Mischung aus kaltem Hass und heißer Beherrschtheit. Er setzt diesen Satz wie ein Giftgeschenk auf den großen runden Tisch. Niemand will es, alle starren es an.

120 Minuten Prolog, danach ein Blitzeinschlag: „Was glaubst du eigentlich, du, Saujude, du –?“ Das Spiel stockt. Stille. Ein paar begeisterte, ein paar entsetzte Starr-Blicke am Tisch. Weiter geht’s. Ein Kind kommt, es sieht den geschmückten Baum: „Ist denn schon Weihnachten?“ Das Kind zündet eine Kerze an, die Mutter sagt: „Wie schön.“ Danach noch etwas Musik. Bach, Wohltemperiertes Klavier, Prelude in Es-Moll. Abspann. Ende.

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