Beyoncé, 39, gibt auf den letzten Metern des US-Wahlkampfes noch einmal alles und hat ihren 155 Millionen Fans unmissverständlich signalisiert, welchen Kandidaten sie unterstützt. Die R&B-Sängerin zeigte sich am Montag in einem Post mit einer Gesichtsmaske als Corona-Schutz mit der Aufschrift Biden/Harris. In ihrem Werbeclip für den demokratischen Präsidentschaftsanwärter Joe Biden und dessen Vize-Kandidatin Kamala Harris trägt Beyoncé einen Schlapphut mit einem „Ich habe gewählt“-Anstecker. Damit gesellt sich die Künstlerin zu der in den letzten Wochen rasant angewachsenen Zahl von Prominenten, die nicht nur politische Sympathien erkennen lassen, sondern ein klares Wahlvotum abgeben.

Die neue politische Klarheit scheint also der neueste Trend zu sein. Er gehört immer mehr zum guten Ton, zu einem, was die eindeutige politische Botschaft angeht, bislang eher ungewöhnlichen Radical Chic. Ob diese quasi-radikale Pose, die in jedem Fall auch dem eigenen Ranking in den Social-Media-Öffentlichkeiten förderlich ist, nach der Wahl wieder verschwinden wird? Immerhin kann sie auch als Symptom einer nachhaltigen Verzweiflung an den politischen Verhältnissen in den USA verstanden werden: Donald Trumps desaströse Präsidentschaft hätte demnach den entschiedenen Widerstand des kulturellen Establishments herausgefordert, um zu retten, was noch zu retten ist.

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Come thru, Texas! #VOTE 😘

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Wie auch immer, Beyoncé rief nun, was ja eine demokratische Selbstverständlichkeit ist, zum Wählen auf. Die gebürtige Texanerin wandte sich dabei ganz speziell an die Menschen in ihrem Heimatstaat. „Schaff es, Texas! Wählt😘“, schrieb sie. Der bevölkerungsreiche Bundesstaat geht seit Jahrzehnten an Republikaner. Donald Trump lag dort 2016 deutlich vor der Demokratin Hillary Clinton. Umfragen sagen jetzt aber ein deutlich knapperes Rennen voraus.

Michael Keaton, 69, nutzt in einem Twitter-Video seinen Superhelden-Status als Batman-Darsteller auf verquere Weise und ruft die Wähler in seinem Heimatstaat Pennsylvania auf, als „Helden“ für den Demokraten, Joe Biden, zu stimmen. Das ist, etwas genauer gesagt, ein allemal gewagter Baman-Biden-Kurzschluss, der in einem euphorischen „Wir haben die Chance, Helden zu sein …“-Statement einmündet. „Es hängt von uns ab“, ruft der Schauspiele seine Follower zum Wählen auf. Die Stimme für Biden sei eine Stimme für die nächste Generation, für die Umwelt, für soziale Gerechtigkeit und um dieses „wahnsinnige Chaos“ zu beenden. „Weitere vier Jahre davon? Ich denke nicht“, betont der Trump-Gegner.

Am Ende des Clips tauscht Keaton seine Schirmmütze mit dem Logo des Baseball-Teams Pittsburgh Pirates gegen eine Kappe mit der Aufschrift „Wähle Biden“ ein. „Na los, zeig's Ihnen“, spornt er die Wähler an. In Pennsylvania, einem der umkämpften „Swing States“, hatte Donald Trump 2016 knapp gewonnen. Umfragen räumen nun Biden Chancen ein, sich bei den Wahlen dort knapp durchzusetzen.

John Legend, 41, und Lady Gaga, 34, setzten sich ebenfalls rückhaltlos für die demokratische Partei ein. Die Musiker ließen sich bei verschiedenen Wahlkampfveranstaltungen blicken. Legend trat mit Vize-Kandidatin Kamala Harris in Philadelphia auf. „Wir haben die Power, diesen Albtraum zu beenden“, sagte er und wollte sich in puncto radikaler Pose nicht übertreffen lassen: Trump sei ein Feigling, ein Versager und ein Lügner, auf dessen Lügen einige „früher beliebte Rapper“ reingefallen seien. Der Mann in Rage nannte zwar keine Namen, doch ganz offenbar spielte er auf den Rapper Lil Wayne, 38, an, der vorige Woche von einem „großartigen Treffen“ mit Trump schwärmte.

Lady Gaga zog es auf die Bühne in Pittsburgh, um dort auf Stimmenfang für den Präsidentschaftsanwärter Joe Biden zu gehen. Sie habe mal hier in Pennsylvania gewohnt, sagte sie. Dabei trug sie ein Sweatshirt mit Bidens Namen im Herz-Logo. „Lasst uns Trump abwählen“, rief die Sängerin, die schon seit einiger Zeit aus ihren politischen Vorlieben keinen Hehl macht.

Tom Wolfe (1930–2018) soll in diesem Reigen politischer Prominenz das letzte Wort haben. Denn auf ihn geht der Begriff des „Radical Chic“ zurück. Der Schriftsteller verwendete es bei der Beschreibung einer Party für das New York Magazine im Jahre 1970: Der Dirigent und Komponist Leonard Bernstein hatte Freunde und Bekannte aus dem Showbiz und der Schickeria New Yorks in sein Penthouse in der Park Avenue eingeladen – und etliche Aktivisten der Black Panther mit ihren Frauen noch dazu. Es sollte eine Spendenparty für die schwarzen Aktivisten werden, für eine Organisation also, deren Mitglieder, Aktivitäten und Ziele eindeutig nicht mit denen des Elitekreises von Bernstein übereinstimmten.

Wolfe verspottete dieses Treffen, das ihm als besonders perfide Geste der Aneignung erschien: Das weiße Establishment schmückt sich mit den politischen Underdogs – macht sie zum Zierrat des Radical Chic, zum Prestigeobjekt, um die Überlegenheit des eigenen sozialen Status zu unterstreichen, anstatt echte politische Überzeugungen zu bekräftigen. Nun, von dieser Art der Aneignung des Politischen ist das vielfältige Engagement der vielen Super-Promis in den USA selbstverständlich weit entfernt. Die Lage ist ernst!