Schauspielerin Marie-Luise Marjan ist das letzte mal  «Mutter» Beimer in der Lindenstraße. 
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BerlinSie seien eine ganz besondere Hausgemeinschaft, rief Helga den neuen Mietern zu. „Hier hält man zusammen.“ Was für eine Pointe in der letzten Ausgabe der seit 1985 in der ARD ausgestrahlten Fernsehserie „Lindenstraße“. Obwohl alles im Zeichen eines wehmütigen Abschieds stand, verhieß diese Botschaft: Das Leben geht weiter. Wo entrümpelt wird, steht der nächste Möbelwagen schon vor der Tür.

Das Bemerkenswerte an der Schlussausgabe vom Sonntag bestand darin, dass sie so gewöhnlich war. Sicher, es ging noch einmal dramatisch zu. Anna Ziegler, die Helga Beimer vor Jahren ihren Mann Hans ausspannte, geriet unter Mordverdacht. Sie soll ihren zeitweiligen Geliebten, einem Bauinvestor, der auch die Lindenstraße gentrifizieren wollte, in ein Bauloch gestoßen haben. Aber weil es dann ja noch vieler Fortsetzungen bedurft hätte, um dem Publikum mitzuteilen, wie es weitergeht, entschied Mutter Beimer sich schließlich, die Rivalin aus der Nachbarschaft zu entlasten.

"Akropolis" adieu

Ein versöhnliches Ende, obwohl „Lindenstraße“ doch immer auch den Anschein erweckte, Shakespeare für den Hausgebrauch zu sein. Drama, Intrige, schicksalhafte Verstrickungen. Was einzelnen Charakteren wie Tanja Schildhorn hier zustieß – lesbische Liebe, die Ermordung der Freundin, Erbkämpfe – war weit mehr, als ein gewöhnliches Leben verkraften kann.

Im Grunde ging es zuletzt um eine einzige Einstellung. Klaus Beimer steht vorm Restaurant „Akropolis“ und begrüßt die Protagonisten aus Jahrzehnten zur Schlussgala. Viele sind gekommen, der Toten der Serie wird mit kurzen Einblendungen gedacht. Drinnen feiert Helga Beimer ihren 80. Geburtstag. Aber als es endlich losgehen kann, starren die Fernsehzuschauer auf die verschlossene Restauranttür. Das erfolgreichste Langzeitprojekt des deutschen Fernsehens ist Geschichte. "Akropolis adieu".