Screenshot einer Szene aus dem ZDF-Nachrichtenmagazin „heute journal“ vom 11. September 2020 mit Moderator Claus Kleber
Quelle: dpa

BerlinMan fühlte sich ein bisschen an Christoph Schlingensiefs exaltierte Auftritte aus der legendären „U3000“-Serie erinnert. Das so etwas im Fernsehen lief – wenngleich auf einem Nischensender wie MTV – war ein Geniestreich, den man noch heute nicht richtig fassen kann. Ähnlich verblüffend war es, am Freitag einer blauen Gestalt zuzusehen, wie sie im „heute journal“ Claus Kleber umtänzelte – mit wundersamen Handbewegungen, die energetische Wellen in seine Richtung zu senden schienen. Klebers Stimme wurde dabei von einer zweiten Tonspur überlagert: „Man muss deeskalieren“, hieß es, „es erstmal auf die ruhige Schiene versuchen, verstehen, wo das Problem liegt, oft kommt es aus dem Nichts.“ Aus dem Nichts schien auch die merkwürdige Gestalt zu kommen. Was das bedeutete? Völlig unklar.

„Ich kann nur sagen: es geht uns allen gut. Keine kurz- und langfristigem Schäden“, kommentierte Kleber im Anschluss auf Twitter. Die Auflösung des Rätsels erfolgte letztlich in der ZDF-Kultursendung „aspekte“: Es habe sich um ein Projekt des Künstlers Christian Jankowski gehandelt, der „systemrelevante Menschen“, etwa Pflegekräfte, sichtbar machen sollte. Die Aktion habe dazu gedient, „die Helden der Corona-Krise zu ehren“. Online hatte die Aktion eher Verwirrung und Ratlosigkeit ausgelöst.

Christian Jankowski gilt als einer der großen Spieler der Aktionskunst. In seinen meist filmbasierten Performances bringt er die Verhältnisse oft sprichwörtlich zum Tanzen. Schon zu Beginn seiner Karriere, 1992, ging er mit Pfeil und Bogen im Supermarkt auf eine altertümliche „Jagd“ nach Lebensmitteln; 2001 ließ er einen evangelikalen Fernsehprediger aus Texas „Das Heilige Kunstwerk“  erklären, 2008 schickte er zwei Shopping-TV-Moderatoren auf die Art Cologne – zum Kunstverkaufen. Dass er mit diesen Aktionen aber je soviele Zuschauer erreichte wie letzten Freitag, scheint ausgeschlossen. Laut DPA hatte das „heute journal“ 3,24 Millionen Zuschauer. Ein veritabler Kunst-Coup!