Berlin - Vor ein paar Tagen hatte ich beim Zappen durchs TV-Programm eine unverhoffte Begegnung mit meinem früheren Geschichtslehrer. In einer Dokumentation über Hexenverfolgung kam er als Sachverständiger zu Wort. Er hat zahlreiche Bücher darüber veröffentlicht und gilt als ein Experte auf diesem Gebiet.

Ich erkannte ihn gleich wieder, aber die Freude darüber wurde durch ein sich umgehend einstellendes schlechtes Gewissen getrübt. Wir Schüler, die wir uns als besonders progressiv empfanden, hatten ihn als Rechten ausgemacht und geschmäht, vor allem wohl deshalb, weil er einfach anders war als viele seiner Mitte der 1970er-Jahre gezielt jugendlich auftretenden Kollegen. Konservativ in seinen Einstellungen, war er ein leidenschaftlicher Historiker, der sich neben seiner Tätigkeit als Lehrer seinen Forschungen widmete. Mit rechtspolitischen Aktivitäten hatte er, soweit ich weiß, nichts zu tun, und irgendwann erlahmte unser Interesse, ihn als Feindbild zu traktieren.

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