Berlin - Erinnern Sie sich noch an die Kuh Yvonne? Sie entfloh im Sommer 2011 einem Landwirt in Bayern und hielt sich drei Monate versteckt. Der Bauer hatte das Vieh zuvor einem Hof in Österreich abgekauft, um sie irgendwann zu schlachten. Doch Yvonne war nicht dumm und entfleuchte rechtzeitig vom Weidegelände. In deutschen wie ausländischen Medien wurde kurz darauf nach ihr gesucht. Sogar in den sozialen Netzwerken wollte man wissen, wo die Milchkuh nun verweilt. Was anderes schien die Welt nicht mehr zu interessieren.

Ungewöhnlich ist der Erfolg der Story nicht. Es gibt Monate, in denen einfach wenig Interessantes passiert. Die meisten Menschen sind im Urlaub. Und wenn nicht, verhalten sie sich so, als wenn sie es wären. In Journalistenkreisen spricht man dabei oft vom Sommerloch. Online findet man dazu ebenfalls eine Menge Einträge – über eine Ortsgemeinde in Rheinland-Pfalz bis hin zum Sommerlochtier: Kuh Yvonne, Braunbär Bruno, Storch Ronny und selbst das Ungeheuer von Loch Ness soll einmal eines gewesen sein.

Die neue Katze

In diesem Sommer ist kein Tier wirklich groß in Mode, zu viel ist dafür mit den wieder aufpoppenden Kulturveranstaltungen, den Olympischen Spielen sowie dem katastrophalen Wetter los. Und dennoch gibt es diese Tage, die so nachrichtenarm sind, dass man eine Kuh wie Yvonne gut gebrauchen könnte. 

An solchen Tagen bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als nach einer eigenen Yvonne Ausschau zu halten. Meine Aufmerksamkeit erregt derzeit etwa die neue Katze der Nachbarin. Ich weiß nicht, wie das Jungtier heißt, seit wann es da ist, aber immer wenn ich nach Hause komme und die Tür zum Treppenhaus aufschließe, guckt sie mich aus dem Fenster links unten an. Sie hat ein schönes, weiß-braunes Fell und strahlendblaue Augen. Ich nenne sie Bianca. Mein Freund indessen sieht sie nie und stattdessen mich inzwischen schon etwas komisch an. Wenn das so bleibt, könnte es sein, dass das nächste Sommerlochtier gerade bei uns im Haus herangefüttert wird.