In den meisten deutschen Großstädten explodieren seit einigen Jahren die Mieten und die Preise für Eigentumswohnungen. Die Hamburger Verwaltung verhandelt inzwischen mit Wohnungsbau-, Eigentümer- und Mieterverbänden über Möglichkeiten, die Teilung der Gesellschaft in reiche Innenstädte und arme Vororte zu verhindern. Das Schreckbild nämlich, das wurde auch am Montag auf einer Tagung zur Berliner Mietenpolitik in der Friedrich-Ebert-Stiftung deutlich, ist die von Unruhe erschütterte Banlieu von Paris, das Synonym einer gescheiterten staatlichen Gesellschaftsplanung.

Das kapitalistisch durch Angebot und Nachfrage geregelte Auf und Ab der Nachbarschaften, wie es etwa New York oder London prägt, das will man in Deutschland aber auch nicht. Im Gegenteil: Eine stabile „Berliner Mischung“ sei das Ideal, forderte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Er versprach eine neue Bodenpolitik, die trotz der 63 Milliarden Euro Schulden Berlins nicht nur aufs Geld, sondern auch auf die Nutzung sehe. Privat organisierte Selbsthilfe- und Baugruppen sowie Genossenschaften sollten gefördert werden, vor allem städtische Wohnungsgesellschaften. Und er versprach ein Zweckentfremdungsgesetz, mit dem die grassierende Umnutzung von Wohnungen für Urlauber eingeschränkt werden soll: „Das führt zur Verödung des öffentlichen Raums“. Szenenapplaus. Ausdrücklich lobte Müller München, wo im Gegenzug für billige Grundstücke von den Investoren verlangt wird, dass auch einfachere Wohnungen entstehen – im gleichen Haus.

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