Wolfgang Winkler (1943–2019) bei Dreharbeiten zur ARD-Serie „Rentnercops“
Foto: imago images

BerlinSchnauzbärte im Film sind meist angeklebt, und meistens sieht man das auch. Wolfgang Winkler aber war ein Schauspieler, der seinen Schnäuzer seit Jahrzehnten voller Überzeugung vor und hinter der Kamera trug, nicht weil es modern oder hip war, sondern weil er zu ihm passte. Er war ein Typ, der immer echt und geerdet wirkte. In seiner letzten TV-Rolle aber war er sogar mit einem anderen überzeugten Schnäuzer-Träger zu sehen. Er spielte mit Tilo Prückner vier Jahre lang die „Rentercops“ in der ARD, zwei pensionierte Kriminalkommissare, die in den Dienst zurück geholt werden. 

Nach vierzig Folgen hatte sich Wolfgang Winkler im Frühjahr dieses Jahres von der humoristischen Krimiserie verabschiedet. Am Sonnabend ist er im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.

Der "Provinzschauspieler"

Die „Rentnercops“ waren die passende Fortsetzung seiner populärsten Fernsehrolle. 17 Jahre lang spielte Wolfgang Winkler den Hallenser „Polizeiruf“-Kommissar Herbert Schneider, der alle fünfzig Fälle mit einem Kollegen bestritt: mit Jaecki Schwarz als Herbert Schmücke. „Herbert & Herbert“ waren so unzertrennlich, dass Winkler und Schwarz noch nach ihrem Abschied vom „Polizeiruf“ gemeinsam auf Lesetour gingen – zusammengeführt hatte sie Andreas Kurtz, der Gesellschaftskolumnist dieser Zeitung.

Jaecki Schwarz, durch viele Rollen in Film, TV und Theater bekannt, war damals gesetzt – Wolfgang Winkler, der „Provinzschauspieler“, kam auf Anregung des Regisseurs Matti Geschonneck erst kurz vor Drehbeginn dazu. Auch wenn die Hallenser Krimis nicht immer überbordend spannend waren – an das Zusammenspiel der beiden Herberts erinnert man sich gern. Der Herbert von Jaecki Schwarz gab sich oft etwas hysterisch, der Herbert von Wolfgang Winkler war der ruhigere, proletarischere Typ, der schon lange im Dienst stand und der zur Region rings um Halle an der Saale passte.  

Gelernter Lokomotivführer

Wolfgang Winkler stammte zwar aus Ostsachsen, hatte in Görlitz Lokomotivführer gelernt, bevor er nach Babelsberg zur Schauspielschule kam. Doch mit Halle war er lange verbunden – er gehörte viele Jahre zum Ensemble des Landestheaters in Halle, war auch oft in den Schwänken zu sehen, die das DDR-Fernsehen im Fernsehtheater Moritzburg aufzeichnete. 1990 kehrte er unter dem Intendanten Peter Sodann kurzzeitig an das hallesche „neue theater“ zurück, gastierte hier noch vor vier Jahren im Klassiker „Warten auf Godot“ – einer seiner Spielpartner war Jaecki Schwarz.

Der Bruder in "Das Kaninchen bin ich"

Im Film war er lange Zeit eher in Nebenrollen zu erleben. Dabei hätte gleich sein Kinodebüt für Aufsehen sorgen können. Denn er verkörperte mit 21, damals noch ohne Schnurrbart, 1965 in Kurt Maetzigs Film „Das Kaninchen bin ich“ den Bruder der Heldin, der wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wird. Seine Schwester, gespielt von Angelika Waller, lässt sich mit dem Richter ein. Als der Bruder aus der Haft entlassen wird und von dem Verhältnis erfährt, schlägt er die Schwester brutal zusammen. Der politisch brisante Film hätte zur Diskussion über das DDR-Justizsystem anregen können, wurde aber prompt verboten und kam wie viele andere sogenannte Kellerfilme erst nach der Wende ins Kino.

 Ein Filmauftritt, der ihm bis zuletzt sehr wichtig war, aber war 1972 im DDR-Kino gelaufen: In einem Interview mit der Super Illu bezeichnete er seine Rolle im sowjetischen Kriegsdrama „Im Morgengrauen ist es noch still“ als seine emotionalste. Die fünf blutjungen Mitstreiterinnen seines Starschina fallen im Kampf gegen die Deutschen, er allein überlebt.