Mit der richtigen Idee lassen sich kommerzielle Filmerfolge offensichtlich doch planen. Im Mutterland des Fast Food und der überhaupt nicht immer vorbildlichen Esskultur war es ein wahrlich cleverer Einfall, einen Animationsfilm über vom Himmel herabfallendes Essen zu produzieren. „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ spielte im Jahr 2009 an die 240 Millionen US-Dollar ein. Wohl bekomm’s! Bei Vegetariern mag die Vorstellung eines fetten Fleischkloßregens wohl eher auf Unbehagen gestoßen sein. Und auch im Film gerät die Maschine des jungen Tüftlers Flint, die Essen im Überfluss erzeugt, letztlich außer Kontrolle. Ein Spaghetti-Bolognese-Wirbelsturm richtet nämlich erhebliche Schäden an und führt zur Abschaltung des Flint Lockwood Diatomic Super Mutating Dynamic Food Replicator, kurz: FLDSMDFR.

So dachten wir jedenfalls bis zum Film „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“. Hier ist zu erfahren, dass der zwar beschädigte, aber nicht zerstörte Apparat fleißig dabei ist, auf einer einsamen Felseninsel ein eigenes Biotop zu erschaffen. Aus Quellwasser sind hier ganz neue Lebensformen entstanden und zwar, bis auf Ausnahmen, sprechende, denkende und gefühlsfähige Gemüse- und Obstkreaturen in erstaunlicher Vielfalt. Dies wiederum hat der von Flint seit Kindertagen bewunderte Wissenschaftler Chester V in Erfahrung gebracht, der sein Wirtschaftsimperium Live Corp. auf die Erfindung eines Lebensmittelriegels 2,0 gegründet hat. Aus Angst, seine Vormachtstellung zu verlieren, will sich der windige Spitzbartträger den naiven Flint zu Nutze machen, um aus den „Foodimals“ (auf Deutsch: Naschtiere) genannten Hybriden aus Tier und Pflanze einen Riegel 8,0 zu kreieren. Flint ist zunächst geblendet von der Aufmerksamkeit des verehrten Mannes. Bis der Junge mithilfe seiner Familie und seiner Freunde endlich die wahre Natur des Yoga betreibenden Wissenschaftlers sowie der Wassermelofanten, Nilpfertoffeln, Bananostrauße, Tacodile, Frittantulas, Schrimpansen und des liebreizenden Erdbeerchens namens Beerchen entdeckt, muss er sich durch eine recht einfache Geschichte über wahre Freundschaft kauen.

Es wird allseits viel geschrien in diesem knallbunten Sequel, ein weit aufgerissener Mund des Entsetzens bleibt in Erinnerung. Für den erwachsenen Zuschauer weniger gut verdaulich ist dagegen der kindliche Zuneigung erzwingende Niedlichkeitsterror, mit dem etwa das Foodimal Beerchen ausgestattet ist. Dagegen funktioniert die sardinenversessene Gurkentruppe in diesem Jurassic Park für Kinder wenigstens als Wortspiel. Gegessen wird in dem Naschtier-Film übrigens erstaunlich wenig, nur ein paar Fische müssen fröhlich ihr Leben lassen. Als Zugeständnis an die erwachsenen Zuschauer versucht man sich sogar an einer Parodie auf Arbeitgeber wie Google oder Apple mit ihren ins Absurde getriebenen Angeboten für die Mitarbeiter. Der plötzliche Realitätseinbruch in den von jeder Logik befreiten Plot wirkt indes aufgesetzt. Vor allem fehlt es aber der Animation an zauberhaften Momenten, die diese neue Welt wirklich liebenswert machen würden.

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 (Cloudy With a Chance of Meatballs) USA 2013. Regie: Cody Cameron, Kris Pearn, dt. Stimmen: Robin Kahnmeyer, Cindy aus Marzahn u. a; 96 Minuten, Farbe. FSK o. A.