Berlin - Am Mittwochabend hat das aus der Schweiz stammende Popduo Yello das erste von vier ausverkauften Konzerten im Kraftwerk Mitte an der Köpenicker Straße gegeben; dabei handelte es sich nach Angaben der beiden Mitglieder Dieter Meier und Boris Blank um das erste Yello-Konzert seit 38 Jahren. Aufmerksame Beobachter der Yello-Geschichte haben in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass es in der fraglichen Zeit durchaus Bühnenauftritte von ihnen gab; allerdings überschritten diese selten eine Länge von 20 Minuten, wurden in der Regel zu Vollplayback gefahren und besaßen mithin eher Schallplattenpräsentationscharakter.

Darum war die Erregung bei den Freunden der 1979 in Zürich zunächst als Trio aus den Produzenten Boris Blank und Carlos Péron und dem künstlerisch wie sprechgesanglich dilettierenden Millionenerben und unterhaltsamen Taugenichts Dieter Meier gegründeten Gruppe groß, als die verbliebenen Mitglieder Meier und Blank anlässlich des neuen, dreizehnten Yello-Albums „Toy“ gleich eine ganze Reihe abendfüllender Konzerte mit live eingespielter Musik ankündigten, die ersten vier davon in Berlin im Kraftwerk Mitte, der gewaltigen Industriehalle neben dem Tresor Klub, in der ansonsten zum Beispiel die Künstler des Atonal Festivals ihr Publikum mit interessantem Krach, ambitionierten Rhythmen und innovativen Multimedia-Installationen unterhalten.

Geradezu spektakuläre Ranzigkeit

Die Karten für die Yello-Auftritte waren jedenfalls binnen kürzester Zeit ausverkauft, und am Mittwoch drängten sich in dem imposanten Industriebau große Mengen von Menschen meist höheren Alters – die Yello schon in der Zeit ihrer großen Erfolge in den frühen Achtzigerjahren miterlebt haben dürften und eventuell damals bereits vergeblich auf eine Live-Darbietung von Hits wie „Bostich“, „Oh Yeah“ und „The Race“ warteten – mit den höchsten Erwartungen.

Freilich erfüllten sich diese Erwartungen in keiner Weise, eher wurden sie konsequent unterboten, ich möchte fast sagen: Der ganze Abend war ein Desaster. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal in einem Konzert dermaßen gelangweilt habe wie am Mittwoch bei Yello; ihr großes Bühnendebüt war von einer geradezu spektakulären Ranzigkeit, Ratlosigkeit und Ignoranz gegenüber den eigenen musikalischen Qualitäten.

Nicht nur ließen Dieter Meier und Boris Blank nicht die geringste Idee davon erkennen, wie der gewaltige und zum Experimentieren einladende Raum sich für die angemessene multimediale Darbietung ihrer Musik nutzen ließe und boten stattdessen eine bis zur Primitivität konventionelle Frontalbühnenshow, zu der sie vor allem alte und in ihrer zwangslustigen Stop-Motion-Trickfilm-Ästhetik schlecht gealterte Yello-Videos aus den Achtzigerjahren projizierten. Überdies hatten sie den Saal bestuhlen lassen und nahmen dem Publikum damit die Möglichkeit, sich zu ihrer ja eigentlich zum Tanzen gedachten Musik zu bewegen.

Musikalisch doch eher monotones Repertoire

Zwei Stunden lang spielten sich Meier und Blank auf diese Weise durch ihr – abgesehen von den drei schon erwähnten Hits – im ganzen musikalisch doch eher monotones Repertoire, wobei sie diesem dadurch noch den letzten Rest klanglicher Interessantheit und Schärfe zu rauben verstanden, dass sie sich mit einem viel zu großen Live-Ensemble umgaben. Vier Blechbläser und eine Blechbläserin waren mit dabei sowie ein unablässig ebenso beherzt wie gefühllos drauflosgniedelnder Gitarrist; ein Perkussionist, der am leibsten mit seinen nackten Handflächen trommelte, ein müde aussehender Schlagzeuger mit einem sehr großen Kopfhörer auf seinen Ohren, ein dreiköpfiger Backgroundchor und zwei zu verschiedenen Anlässen mit Meier medioker duettierende Sängerinnen.

Das hatte alles nicht das Geringste mit irgendeiner musikalischen Gegenwart zu tun und schon gar nicht mit jener musikalischen Zukunft, als deren Propheten sich Meier und Blank stets verstanden. Vielmehr handelte es sich um eine museale Golden-Oldies-Vorstellung, die auch dadurch nicht erträglicher wurde, dass aus dem Erdgeschoss schwere Schwaden Bratfettgeruchs von den von Yello dort installierten Pommes-, Steak- und Waffelständen in den oberen Saal hochkrochen; immerhin waren sie – und das ist das Beste, was sich über dieses Konzert sagen lässt – nicht auch noch auf die Idee verfallen, Käsefondue zu kredenzen.