Zum 100. Geburtstag des Dichters Paul Celan, der im November ebenso begangen wurde wie bereits im April sein 50. Todestag, in diesem doppelten Celan-Jahr also hat Yoko Tawada die ungewöhnlichste aller denkbaren Hommagen geschrieben. In ihrem Roman „Paul Celan und der chinesische Engel“ verliert ein junger Literaturwissenschaftler den Boden unter den Füßen, was aber nicht an Celan liegt, sondern an dem Boden, der die Welt bedeutet. Angefangen mit einem Institut, das sich nur eine halbe Stelle für ihn leisten will. Es gibt oder gab außerdem noch eine Freundin, sie „muss gesagt haben, dass er ein langhaariger Verlierer sei, der tote Gattungen pflege. Was sind tote Gattungen? Die Lyrik? Die Oper? Die Liebe?“

Der Literaturwissenschaftler und Opernhörer, der sich bereits ein gutes Stück von sich und den Dingen entfernt hat – oder ist er vielmehr zu nah an den Dingen dran? –, scheint in einem Literaturclub randaliert und die Scheibe zum Schaukasten eingeschlagen zu haben. Als die Polizei kommt, erklärt er, er habe Bücher stehlen wollen. „Lieber wollte ich ein Dieb sein als ein Verrückter.“ Da sieht er, dass ausschließlich Bücher von Gottfried Benn im Kasten stehen. „Ich sagte schnell, ich hätte mich geirrt, von diesem Dichter wolle ich kein Buch klauen.“

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