„Ich habe in den letzten Jahren ein interessantes Phänomen am Holocaust-Mahnmal beobachtet: viele Menschen verwenden das Denkmal als eine Kulisse für ihre Profilfotos auf Facebook, Instagram, Tinder oder Grindr.“ So beginnt ein Facebook-Post von Shahak Shapira, der binnen einer Stunde bereits über 1500 Reaktionen in dem Netzwerk auslöste und die Projekt-Website immer wieder aufgrund zu vieler Zugriffe zum Abstürzen bringt.

Das Thema ist nicht neu, aber immer noch präsent: 2014 gelangte eine US-Amerikanerin zu unfreiwilligem Ruhm, weil sie in dem ehemaligen Arbeitslager und heutiger Gedenkstätte in Auschwitz ein Selfie machte und das mit einem Smiley twitterte. 

Yoga-Übungen vor Holocaust-Denkmal

Immer wieder veröffentlichen Touristen unangebrachte Bilder vor Gedenkstätten in den sozialen Netzwerken. Diese wirken grotesk: Da ist die Sportlerin, die Yoga-Übungen im Berliner Holocaust Denkmal macht, die beiden jungen Männer, die voller Freude darauf herumhüpfen oder der Künstler, der dort pinke Bälle jongliert. 

Mit dem Projekt „Yolocaust“, das er seinem „Lieblings-Neonazi Bernd Höcke“ gewidmet hat, will Shahak Shapira die „Erinnerungskultur durch das Kombinieren von Selfies am Holocaust-Mahnmal in Berlin mit Bildmaterial aus Vernichtungslagern hinterfragen“.

Zum Projekt „Yolocaust“ Hinweis: Die Bilder können verstörend wirken

Dafür hat der israelische Satiriker fröhliche Selfies mit Bildmaterial aus Vernichtungslagern kombiniert. Provokant, aber mit starker Wirkung. Wer sich auf den Bildern erkennt und nicht an dem Projekt teilnehmen möchte, kann sich über die E-Mail-Adresse undouche.me@yolocaust.de an Shapira wenden. 

Über Shahak Shapira

Shapira wurde Anfang 2015 bekannt, als er es sich nicht hat gefallen lassen, dass junge Männer in der Berliner U-Bahn antisemitische und antiisraelische Parolen grölten und war deshalb bespuckt und verprügelt worden. Viele Medien berichteten damals über den Vorfall, die islamfeindliche Pegida solidarisierte sich, aus Israel gab es sogar die Empfehlung, die Bundesrepublik zu verlassen. 

Seitdem verfolgt Shapira eine Friedensbotschaft – mit derben, aber einprägsamen Mitteln. Gegenüber seiner Heimat, die er liebt und die er auch bei dem Angriff in der U-Bahn verteidigt hat, als „Fuck Israel“ gerufen wurde, ist er kritisch - „vor allem in den letzten Jahren, vor allem unter der aktuellen Regierung“. Er wolle nicht, dass sein Heimatland zugrunde gehe, dass die Nachbarn es hassten und ihre Kinder dorthin schickten, um Menschen abzustechen. (red, mit dpa)