Am Dienstag hat ZDF-Programmchef Norbert Himmler jene arbeitsrechtlichen Konsequenzen gezogen, die er nach den Mauscheleien bei der Rankingshow „Deutschlands Beste“ angekündigt hatte. Die am weitesten reichenden Folgen wird der Rücktritt von Oliver Fuchs als Unterhaltungschef haben. Fuchs wusste laut ZDF zwar nichts von der Manipulation dreier Umfragen, dennoch muss er gehen. Das Fehlverhalten habe bei der Show-Redaktion gelegen, heißt es. Diese hatte Rankings verfälscht, in der Absicht, prominente Studiogäste von „Deutschlands Beste“ populärer zu machen, als sie laut Umfrage waren; andere standen infolge dessen schlechter da. Mit Fuchs verliert Himmler den Mann, der für ihn den Bereich mit den größten Problemen in den Griff bekommen sollte: die ZDF-Shows.

Der 43-jährige Himmler empfahl sich für den Job des Programmchefs mit dem erfolgreichen Aufbau des Digitalkanals ZDF-neo. Er bekam den Posten, als Thomas Bellut vor gut zwei Jahren ZDF-Intendant wurde. Die Erwartungen an den gebürtigen Mainzer Himmler waren hoch. Die Zeiten, in denen das ZDF als Unterhaltungsdampfer galt, sind lange vorbei. In einer von Himmler in Auftrag gegebenen Zuschauerbefragung bekam keine Sendung schlechtere Werte als die Unterhaltungsformate.

Fuchs sollte das ändern, dafür holte Himmler ihn von der Produktionsfirma Eyeworks. Dort war er unter anderem für Trash-Formate fürs Privatfernsehen wie „Schwiegertochter gesucht“ oder „Lothar – Immer am Ball“ verantwortlich. „Mein Ziel ist es, Events zu kreieren, über die man spricht“, sagte Fuchs im Mai und kündigte „Deutschlands Beste“ an. Wie darüber seit Tagen gesprochen wird, lag sicherlich nicht in seiner Absicht.

Nun hat das ZDF nicht nur keinen Thomas Gottschalk und bald kein „Wetten, dass..?“ mehr, sondern muss mit „Deutschlands Beste“ eine weitere Show-Idee begraben und sich obendrein nach einem neuen Unterhaltungschef umsehen. Das ist ein herber Rückschlag für Himmler. Denn er hat Fuchs gegen jede Kritik verteidigt, als bei seiner Ernennung gerätselt wurde, wie sich wohl einer wie er beim seriösen ZDF machen wird.

Zu Himmlers Problem, den Kurs des schwer zu lenkenden Unterhaltungsprogramms zu drehen, kommt nun das der angekratzten Seriosität. Himmler hat einst die Serie „Mad Men“ nach Deutschland geholt. Ihm wird ein gutes Gespür für Programmplanung nachgesagt. Doch wen immer er zum Nachfolger von Oliver Fuchs macht: Er beginnt bei null. Medien Seite 25