Schrullig und hypersensibel: Kommissar Danowski (Milan Pechel). 
Foto: Georges Pauly

BerlinDer Blick über den Hamburger Hafen fällt auf die Elbphilharmonie, ein Schuss fällt, eine Leiche wird weggetragen. Kurz darauf wird ein Mann in seinem Auto im Elbtunnel erschossen aufgefunden. Hamburg samt Hafen ist ein beliebter Krimiort, allein das ZDF hat hier fast ein halbes Dutzend Serien angesiedelt. Der Tote aus dem Elbtunnel wohnte draußen im Alten Land und verschnitt Apfelbäume – auch das kein neues Sujet im ZDF.

Im Frühjahr 2018 startete in einer Apfelplantage im Alten Land die ZDF-Krimireihe „Sarah Kohr“, die auf die Athletik der Hauptdarstellerin Lisa Maria Potthoff baut. Adam Danowski ist das pure Gegenteil – ein seltsamer, etwas schrulliger Typ, der von Kollegen herumkommandiert wird und wegen seiner Hypersensibilität in Behandlung ist. Als „Achtsamkeitstraining“ soll er Rosinen kneten. Das ist natürlich eine passende Rolle für Milan Peschel, der mit Schnurrbart, großer Brille und übergroßem blauem Anzug im rauen Hamburger Kommissariat wirkt, als hätte er sich verlaufen – als Actionheld würde er ja wie eine Parodie wirken.

Danowski, Held einer Krimireihe 

Für die Produzentin Annette Reeker aber, die Danowski mit Peter Falk vergleicht, ist nicht nur die Hauptfigur interessant, sondern der Fakt, dass er Held einer Krimireihe ist. „Blutapfel“ ist der zweite von bisher fünf Danowski-Romanen von Till Raether. Die Produzentin hatte schon mit der TV-Adaption der Taunus-Krimis von Nele Neuhaus dem ZDF hohe Quoten beschert, beim Schwarzwald-Krimi die Bücher unter ihrem Pseudonym Anna Tebbe kurzerhand selbst geschrieben. Auch für den Danowski-Krimi hat die Produzentin das Drehbuch selbst verfasst, nachdem zwei Autoren kapituliert hatten.

Eine geschlossene oder gar schlüssige Krimihandlung ist auch ihr nicht gelungen – da bleiben doch viele Enden lose hängen. Die Anspielungen an die Geheimdienstwelten bleiben vage, auch Isabella Parkinson als Agentin wirkt seltsam fremd, ihre Legende als Vertreterin für Körperkameras nicht besonders überzeugend. Dass ein einzelner Kommissar wie Danowski entscheiden soll, ob die Hamburger Polizei diese Kameras einführt, ist ebenso unglaubwürdig. Stimmiger ist sein Verdacht, der Mörder im Elbtunnel könne aus dem Milieu der „Urban Explorer“ stammen, die auf riskante Weise versteckte Orte entdecken. Das führt den Krimi von Regisseur Markus Imboden immer wieder an besondere Schauplätze wie die Rettungsschächte am Elbtunnel.

Im Mittelpunkt aber stehen die allesamt etwas überzeichneten Figuren. Milan Peschels Danowski hat noch die meisten Facetten – er ist nicht nur der hypersensible Grübler, sondern ein liebevoller Familienvater. Bettina Stucky als Gattin bringt viel pralles Leben ein. Dagegen wirkt Danowskis herrischer Kollege (Felix Goeser), der hinter allen Straftaten immer den „Kiez“ vermutet, nur wie eine Hamburger Karikatur, und die Rolle von Andreas Döhler als alkoholkranker Polizist bleibt voller Andeutungen stecken, so als sollte die Figur in kommenden Fällen mehr Raum bekommen. Doch das ZDF will offenbar die Reaktion auf diesen doch recht schrulligen Krimi abwarten, ehe weitere Folgen in Auftrag gegeben werden.

Danowski: Blutapfel Mo, 9. 12., 20.15, ZDF