Isa von Gems (Henriette Confurius)
Foto: Alexander Fischkoesen

BerlinEine Sechzehnjährige verlässt nachts ein Schulfest – und kehrt nicht mehr zurück. Die Polizei sucht vergeblich, die Eltern, Besitzer einer Brauerei, vermuten eine Entführung – doch Isa von Gems (Henriette Confurius) bleibt verschwunden. Zehn Jahre später glaubt der Polizist (Götz Schubert), der damals die Ermittlungen leitete und mit Isas Mutter eine Affäre hatte, die Verschwundene gesehen zu haben. Er jobbt inzwischen als Wachmann in der Brauerei. Keiner glaubt ihm, viele reagieren befremdet – aber es ist tatsächlich Isa. Doch an die ersten sechzehn Jahre ihres Lebens kann sie sich nicht erinnern.   

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Alas andere als ein reines Opfer

Junge Mädchen verschwinden immer wieder in TV-Thrillern, der Gedächtnisverlust ist ein gern bemühtes Motiv, auch den Kampf ums Erbe in einem Traditionsfirma und den Ex-Polizisten, der endlich seinen großen Fall aufklären will, hat man schon oft gesehen. Autor Christian Jeltsch, der sonst Drehbücher für „Tatorte“ schreibt, nutzt alle diese Bausteine als Basis einer Serie, die im Verlauf der sechs Folgen ein immer stärkeres und dramatischeres Eigenleben gewinnt. Hochinteressant ist schon der Vorspann jeder Folge, in der das ominöse Schulfest aus immer neuen Perspektiven gezeigt wird. In der ersten Folge sieht Isa ihre Mutter (Claudia Michelsen) beim Sex im Auto. Aber auch ihr Freund (Max von der Groeben), ihr Bruder (Rick Okon) und ihre beste Freundin (Nina Gummich) erleben Isas Verschwinden aus ihrer Sicht – und als Weichenstellung ihres Lebens.

Die Inszenierung von Kai Wessel und die Bilder von Alexander Fischerkoesen stellen eine herbstlich gedämpfte Stimmung im fiktiven Provinzstädtchen Lotheim her, das am realen Eder-Stausee in Nordhessen liegt. Immer wieder wird die heimgekehrte Isa bedroht: Mal verbrennt sie fast, mal wird sie von eine Maskierten überfallen. Doch der Sechsteiler ist mehr als ein konventioneller Thriller, die Geschichte arbeitet das  verästelte Beziehungsgeflecht einer Provinzstadt heraus – und verstrickt ist hier wirklich jeder. Die Rückkehrerin Isa war alles andere als das reine Opfer, sie stellt sich die Frage: „Was war ich für ein Mensch, dass mich alle so zu hassen scheinen?!“ Die Antworten werden immer bestürzender – die einst Verschwundene wird immer verlorener.

Henriette Confurius spielt nicht nur die zwei Seiten ihrer Isa – forsch mit 16,  forschend mit 26 – ihre beiden Seiten begegnen und befragen sich. Auch die anderen jüngeren Schauspieler  überspringen mühelos die Zeitebenen, sie sind das eigentliche Zentrum des Films. Selbst die renommierten Kollegen wie Julia Jäger, Claudia Michelsen, Götz Schubert und Christian Berkel, allesamt häufig zu sehen, werden hier mal anders herausgefordert als gewohnt.

Die verlorene Tochter

Montag, Mittwoch und Donnerstag, jeweils zwei Teile, 20.15 Uhr, ZDF