Immer mal wieder taucht sie auf, die wirklich gute Frage: Warum produzieren US-Amerikaner eigentlich so wunderbare Fernsehserien, warum trauen sie sich, ihren Zuschauern etwas zuzumuten, neue Wege zu gehen – und die Deutschen nicht? Möglicherweise werden sich diese Frage auch am Samstagabend wieder einige Menschen stellen. Dann nämlich zeigt das ZDF die erste Folge der neuen Krimi-Reihe „Mordshunger“, und es ist nicht nur so, dass diese 60 Minuten an Phantasielosigkeit kaum zu übertreffen sind. In Mainz scheint man mittlerweile regelrecht stolz darauf zu sein, dem Fernsehen keine neuen Impulse mehr geben zu können.

Der Titel „Mordshunger“ bedient sich beim gleichnamigen Kriminalroman von Frank Schätzing, die erste Episode heißt „Eine Leiche zum Dessert“ – so wie die herrliche Filmparodie aus dem Jahr 1976. Die Titelmelodie weckt ebenfalls diverse Assoziationen an Mördersuchen der Vergangenheit, und wer beim Grundgedanken – junge Frau löst Kriminalfälle in ländlicher Umgebung – nicht unmittelbar an „Mord mit Aussicht“ denkt, hat eine der wenigen erfreulichen Serien der jüngsten Vergangenheit verpasst. So offensiv präsentiert das ZDF also seine Einfallslosigkeit.

Die Handlung jedenfalls spielt im Oberbergischen, in der Nähe von Gummersbach, Landschaftsverband: Rheinland, Regierungsbezirk Köln. Das ist deshalb bemerkenswert, weil in der Presse-Information des ZDF tapfer behauptet wird, die Protagonisten befänden sich „in dem kleinen westfälischen Örtchen Klein-Beken“, aber sei es drum: Das Bundesland stimmt, man wird ja genügsam mit der Zeit.

In Klein-Beken führt Britta Jansen einen Catering-Service, ihr Bruder Max ist Dorfpolizist und wird just in dem Moment gefordert, als der alte Günther Ervenich, Betreiber der ortsansässigen Räucherei, sich mit einer Gier über den Backschinken hermacht, als befände er sich auf der Flucht vor dem Veggie Day. Noch einmal Salz drauf, reingebissen, zack, tot. Seine Frau ist verzweifelt, sein Sohn kalt und unsympathisch, Typ Großkapitalist, der sich in die Provinz verirrt hat. Wir verstehen uns.

Was folgt, ist trotz einiger Ablenkungsmanöver absolut vorhersehbar und insoweit tragisch, weil es die große Irm Herrmann als Fleischvertilger-Witwe in die unwürdige Lage bringt, ein paar Mal halbherzig um Hilfe brüllen zu müssen.

Und wo bleibt das Positive? Nun, Caterin und Hobby-Detektivin Britta Janssen ist eine ganz sympathische Figur und wird von Anna Schudt ebenso dargestellt. Auch gönnt sich der erste Teil ein paar melancholische Momente; um Kindheitserinnerungen geht es da, um den Verlust der Eltern. Das ist so nicht unbedingt zu erwarten in einem Schmunzelkrimi, aber gerettet werden kann hier leider gar nichts mehr: „Mordshunger“ ist das Produkt von Fernsehleuten, die immer weiter das machen, was sie schon immer gemacht haben, und auf die Zuschauer setzen, die sich das angucken wollen, was sie sich schon immer angeschaut haben. Sie mögen ruhen in Frieden.

Mordshunger: Eine Leiche zum Dessert, Sonnabend, 21.45 Uhr, ZDF