An Burnout scheint dieser Manager nicht zu leiden: Claas Lohmann (Heino Ferch), Strippenzieher eines Wasserkonzerns, strotzt vor Energie und Ehrgeiz. Seine Maxime, Trinkwasser müsse weltweit endlich seinen Preis haben, kommt bei der zuständigen Staatssekretärin (Nele Mueller-Stöfen) gut an. Gleichzeitig wird in Südafrika ein Trinkwasserreservoir durch einen Unfall verseucht. Um die Privatisierung dieses Sees hatte sich Lohmanns Firma vergeblich beworben.

Der zweiteilige Öko-Thriller „Verschollen am Kap“ ist die fiktionale Basis des ZDF-Themenschwerpunkts „Burnout“. Schon die ersten Szenen zeigen, dass es hier nicht um menschliche Burnouts geht, sondern um den „erschöpften Planeten“ Erde. Der Schwerpunkt entstand eher zufällig, als die ZDF-Programmplaner merkten, dass hier an drei Stellen parallel an dem Thema gearbeitet wurde. Seit fünf Jahren betrieben die Produzenten schon ihr Filmprojekt ums knappe Wasser, seit anderthalb Jahren waren die Reporterduos Claus Kleber und Angela Andersen sowie Stefan Aust und Claus Richter unterwegs, um über die globale Neuverteilung der Ressourcen zu berichten.

Drehbuchautor Christian Jeltsch hat lange nach einer Form gesucht, um einen Spielfilm über den „Kampf ums Wasser“ umzusetzen. Klar war nur: Es sollte nicht als fernes „Sterben vor Durst“ erzählt werden. Mit der Figur eines Managers, dessen Firma Trinkwasser weltweit profitabel machen will, ist dem Film der Bezug zum deutschen Alltag geglückt – die Privatisierung der Wasserbetriebe ist ja ein aktuelles Berliner Thema.

Burnout verschoben

Doch „Verschollen am Kap“ ist nicht etwa ein Wirtschaftskrimi, sondern zuallererst ein Familiendrama. Klara (Nadja Bobyleva), 20-jährige Tochter des Managers, will nämlich den Machenschaften ihres Vaters etwas entgegensetzen, reist für ein humanitäres Projekt nach Südafrika und verbündet sich dort mit den Gegnern ihres Vaters. Als sie eine Wasserprobe des verseuchten Sees sichern will, wird sie entführt. Vater und Mutter (Barbara Auer) fliegen hinterher und werden in einen Strudel von Ereignissen gezogen.

Flankiert wird der Öko-Thriller von zwei Doku-Zweiteilern. Hatte der Krimi noch Deutsche als engagierte Hauptfiguren der globalen Auseinandersetzung gezeichnet, so belegen die Dokus eher, dass die Deutschen beim realen Kampf um die Ressourcen nur Statisten sind. Angela Andersen und Claus Kleber haben anderthalb Jahre lang in aller Welt Schauplätze gesucht, um die Folgen der Klimaveränderung anschaulich zeigen können.

Ihr „Machtfaktor Erde“ führt viele spannende Entwicklungen auf, die in den Euro-zentrierten Nachrichten nie eine Rolle spielen. So entdeckten die beiden ZDF-Reporter ein Großprojekt saudi-arabischer Investoren, die in Äthiopien Reis anbauen lassen und die ansässigen Bauern vertreiben. In Sankt Petersburg filmten sie ein mobiles Atomkraftwerk, das in der Arktis die Energie für den Abbau von Rohstoffen liefern soll. Überhaupt scheint sich die Arktis zum künftigen Schauplatz von Konflikten zu entwickeln: Ob Russen oder Kanadier, alle bringen ihr Militär in Stellung – und China mischt sowie überall kräftig mit. „Kein Land stellt sich so konsequent auf den Klimawandel ein wie China“, resümiert Claus Kleber.

Auch Stefan Aust und Claus Richter haben eine überraschende These von ihren weltweiten Recherchen rund um das Öl, „Das Blut der Welt“, mitgebracht. Richter spricht von einem wahren Ölrausch. Das Motto „Ausgebrannt“ passe hier nur insofern, als auf der Jagd nach dem Öl immer extremere und entlegenere Gebiete ausgebeutet werden. Der „Burnout“ ist hier verschoben worden.

Verschollen am Kap, Mo. und Do., 20.15 Uhr Machtfaktor Erde, Mo., 21.45 Uhr, Di., 23.00 UhrDas Blut der Erde, Mi., 23.30 Uhr, Do., 23.15 UhrMaybrit Illner, Do., 21.45 Uhr mit Heino Ferch, Frank Schätzing u. a.