ZDF-Sendung im Bundestag: Drehfreiheit für die „heute-show“!

Ein Schnuller überzeugt den Wachmann nicht. Das Bestechungsangebot an der Pforte wird ausgeschlagen. Und auf Wolfgang Tiefensee, beim Zigarettchen hinterm Haus erwischt, ist auch kein Verlass. Dabei hatte er doch in die Kamera versprochen, sich einzusetzen. Also müssen sich die Zuschauer wohl selber kümmern. Sie müssen dafür sorgen, dass die vierte Gewalt als solche akzeptiert wird.

In der jüngsten Ausgabe der „heute-show“, dem erfrischendsten Angebot des ZDF in Sachen Politik, informierte der Moderator Oliver Welke darüber, dass Kameras seiner Redaktion fortan unerwünscht seien im deutschen Parlament. Welke zitierte aus dem entsprechenden Schreiben des Pressesprechers des Deutschen Bundestages, Dr. Ernst Hebeker, dass es sich bei der „heute-show“ um „keine politisch-parlamentarische Berichterstattung“ handele. „Was machen wir denn sonst hier“, fragte Welke ratlos, „als politische Berichterstattung?“

Verzweifelte Claudia Roth

Im anschließenden Beitrag illustrierte ein Reporter, wie er sich ohne Drehgenehmigung durch die Pforte kämpfen wollte. Mit dem Schnuller wollte er sich als Kika-Mitarbeiter ausgeben. Mit dem ehemaligen Verkehrsminister Tiefensee kam er ins Plaudern.

Wer sich jede Woche auf den Freitagabend freut, um in der „heute-show“ eine Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Tage zu sehen, weiß natürlich, dass es in der Sendung nicht um das bloße Berichten geht. Hier wird gewichtet, aber gern auch übertrieben. Und während sich auf Phoenix der Live-Bericht über eine Fragestunde im Bundestag quälend lange hinzieht, kann der bei der „heute-show“ auf eine Minute zusammenschnurren. So geschehen in der aktuellen Ausgabe, als man die Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth zunehmend verzweifelt erlebte, da Fragesteller oder um Antwort Gebetene fehlten. Nur ein Häuflein Volksvertreter hatte sich in die Reihen verirrt. „Volkskammer 2.0“ stand als Kommentar unter dem Bild des leeren Bundestags. In einer Demokratie haben die Medien die Aufgabe, von Politik nicht nur zu erzählen, sondern sie kritisch zu begleiten.

Die „heute-show“ schneidet widersprüchliche Aussagen unvorteilhaft zusammen, holt verdrängte Versprechen aus dem Archiv, zeigt gelangweilte Politiker und sprachliche Entgleisungen. Klar, es gibt auch Comedy-Elemente in der Show, es werden auch Pointen gefunden, wo sie nicht offensichtlich sind. Überwiegend aber sieht man politischen Journalismus mit dem Mittel der Satire. Oder hat sich der Pressesprecher vertippt und meinte, die „heute-show“ mache keine Hofberichterstattung? Die kann er in der Tat nicht von dieser Sendung erwarten.