Beides zusammen geht eher selten: Neue Herausforderungen und alte Erfolge passen im Fernsehen für Schauspieler oft nicht zusammen. Wenn das Publikum einmal eine Reihenfigur ins Herz geschlossen hat, sieht es in jeder neuen Rolle immer wieder die alte. Das wiederum schreckt die Casting-Agenturen ab, einen uniquen Stoff mit einem Seriengesicht zu besetzen. Etliche „Tatort“-Kommissare können ein Lied davon singen.

Für Iris Berben gilt all dies nicht. In den letzten Jahren hat sie jedes Jahr zwei „Rosa Roth“-Krimi UND mindestens einen weiteren ambitionierten Film gedreht: Das Kammerspiel „Liebesjahre“, den RAF-Film „Es kommt der Tag“, die Literaturverfilmung „Die Buddenbrooks“, das Stahlepos „Krupps“, die Liste ließe sich fortsetzen.

Oft, aber nicht immer ist ihr Sohn Oliver Produzent ihrer Filme, auch die ZDF-Reihe „Rosa Roth“ wird von dem Familienunternehmen „Moovie –the art of entertainment“ produziert. Nun haben die Berbens das Aus für die Kommissarin Rosa Roth beschlossen, dessen Schicksal sie seit 1994 gemeinsam mit dem ZDF fast zwanzig Jahre lang bestimmten. Gemeinsam mit „Bella Block“ (Hannelore Hoger) begründete „Rosa Roth“ in den frühen Neunzigern den Frauenkrimi-Boom des ZDF.

Ein Programm wird renoviert

Es spricht viel dafür, dass die Nachricht, Iris Berben habe über die Zukunft ihrer Rosa ein Jahr lang nachgedacht, stimmt. Auch wenn das ZDF dieser Tage sein Programm heftig renoviert – wie am Freitag bekannt wurde, ereilt auch den Feierabendkrimi „Stolberg“ (Hauptrolle: Rudolf Kowalski) das Schicksal der Serien „Ein Fall für zwei“, „Der Landarzt“ und „Forsthaus Falkenau“ , die das ZDF einstellt – wird „Rosa Roth“ kaum ganz oben auf der Streichliste von Fernsehspielchef Reinhold Elschot gestanden haben. Aber Iris Berben, so sagt sie, wollte lieber „an der Spitze des Erfolgs aussteigen.“ Das habe sie, so die 62-Jährige, auch schon bei „Sketchup“ so gehalten.

Die Figur der Rosa Roth war immer eher sperrig und introvertiert, Regisseur Carlo Rola hatte der Reihe von Anfang an einen zwar sehr düsteren, aber auch sehr stylischen Look verpasst, der seine Modernität in all den Jahren nie ganz eingebüßt hatte. Zuletzt war Berben mit Thomas Thieme ein neuer Kollege an die Seite gestellt worden, die dem so introvertierten Charakter Roth wieder eine neue, interessante Richtung gab.

Das alles hätte das ZDF sicher noch eine kleine Weile weiter senden können, ohne sich den Vorwurf eines „alten“ Programms gefallen lassen zu müssen. In der finalen Folge ist Rosa Roth mit einem alten Fall konfrontiert und wird in einem Feuergefecht aus Versehen ein Kind erschießen. „Der Schuss“ heißt die Finissage – und es lässt sich leicht denken, wie dieser Krimi ausgeht, auch wenn alle Beteiligten eine „unerwartete Wendung“ versprechen.

Gedreht wird noch bis Mitte November in Berlin und an der Ostsee. Er freue sich schon auf die nächsten Filme von Iris Berben, erklärte ZDF-Fernsehspielchef Elschot. Neue Herausforderungen gibt es ja beim ZDF nun genug.