Es geht ja schon lange nicht mehr um Mord und Totschlag. Nicht um Budgets oder Sendeplätze. Und nicht einmal mehr um Einschaltquoten und Zuschauerzahlen. In der emotional aufgeheizten Seriendebatte geht es für viele um nicht weniger als die Zukunft des deutschen Fernsehens.

Am Sonntagabend war der Tag der Wahrheit: „Es hat sich beflügelt“, sagte der ZDF-Redakteur Wolfgang Feindt nach der TV-Premiere der Serie „The Team“. Die Entscheidung des Senders, die acht Stunden der Krimiserie zwei Wochen vor der ZDF-Ausstrahlung komplett in die Mediathek des Senders zu stellen, war ein strategischer Coup, aber auch ein kleines Wagnis.

Am Tag nach der Ausstrahlung der ersten Doppelfolge stellt sich heraus, dass die Einschaltquoten mit 3,91 Millionen Zuschauern und 19,8 Prozent Marktanteil sogar höher ausfallen als an anderen Sonntagen. Internet und Fernsehen haben sich also keineswegs Aufmerksamkeit weggenommen, sondern füreinander Werbung gemacht. „The Team“ war auf beiden Kanälen erfolgreich – wie auch in Dänemark, Belgien und in der Schweiz, wo die internationale Koproduktion bereits mit großer Zuschauerresonanz gezeigt worden ist.

Im Zentrum der Serie steht eine internationale Polizeieinheit, die es bei Europol seit 2010 tatsächlich gibt. Die sogenannten Joint Investigation Teams bestehen aus kleinen multinationalen Einheiten und werden eingesetzt, wenn es um grenzüberschreitende Organisierte Kriminalität geht.

Die beiden dänischen Autoren Mai Brostrøm und Peter Thorsboe hatten bereits mit „Der Adler – Die Spur des Verbrechens“ 2005 einen der begehrten US-Fernsehpreise Emmy als „Beste Dramaserie“ gewonnen. Nun erhielten sie bei Europol die Gelegenheit, die Investigation Teams aus der Nähe zu studieren. Dennoch ist natürlich ihr Polizeifilm kein Realitätsfernsehen, sondern will einen komplexen Fall cool und spannungsgeladen erzählen. So wird der Fall dreier Prostituiertenmorde in Kopenhagen, Antwerpen und Berlin für den Zuschauer von verschiedenen Seiten nur bruchstückhaft angerissen. Die rasch zusammengestellte Sondereinheit ist eine extrem hippe Truppe und skypt oder telefoniert ähnlich oft wie Jack Bauer in „24“.

Die Serie spart nicht mit Gräuel- und Gewaltszenen, wurde aber vom ZDF-eigenen Jugendschutz für eine Ausstrahlung ab zwölf Jahren freigegeben. Theoretisch könnte „The Team“ also auch um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden. Die Serie sei „punktgenau für den Sonntag entwickelt“ worden, hält Feindt dagegen. Und verweist darauf, dass alle Folgen in der Mediathek ab 20 Uhr abrufbar sind. Wie hoch genau die Klickzahlen im Netz derzeit sind, war vom ZDF noch nicht zu erfahren. Man werte die aktuellen Daten noch aus, hieß es in Mainz.

In der Vorwoche hatten sich aber bereits 300.000 Zuschauer die multilinguale Originalfassung von „The Team“ angesehen. Seit Sonntag haben die Internetkunden nun die Wahl zwischen der deutschen Synchronfassung, die das ZDF im eigenen Programm ausstrahlt und der untertitelten Originalversion. Mit etwas Hartnäckigkeit lassen sich so schon bald Schlüsse aus dem Abrufverhalten der Online-Zuschauer ziehen: Ist die Originalversion der Serie tatsächlich um so vieles gefragter als die synchronisierte Fassung? Wer schaut sich alle Episoden in einer Nacht hintereinander an? Und wer weiß? Vielleicht profitiert am Ende sogar noch die Fernsehausstrahlung mit steigenden Quoten in der jungen Zielgruppe von der Mediathek?

Billiger als ein Fernsehfilm

So manche oft wiederholte Annahme über Zuschauervorlieben und Sehverhalten könnte sich durch den Faktencheck alsbald erledigen, denn wie bei den GfK-Quotenmessungen lassen sich auch die Visits der Mediatheken detailgenau auswerten. Auf dem Lerchenberg denkt man jedenfalls schon halblaut über eine Fortsetzung von „The Team“ nach. Zumal die internationale Koproduktion – anders als vielfach berichtet – für das ZDF nicht teurer, sondern preiswerter als ein durchschnittlicher Fernsehfilm ist.

Hier können Sie "The Team" online anschauen.TV-Ausstrahlung: Sonntags, 22 Uhr, ZDF