Die Uferstudios im Wedding 
Foto: Markus Rock

BerlinAm Ufer der Panke liegt ein utopischer Ort: die Uferstudios für zeitgenössischen Tanz. Ein Unterschlupf für die Künste, der sich mit den Ideen seiner Partner, Künstlerinnen und Gäste stetig verändert. Umgeben von einer hohen Mauer, zugänglich nur durch zwei große Tore, scheint sich das zum Proben- und Aufführungsort umgebaute Gelände ehemaliger BVG-Buswerkstätten eher abzuschotten. Angestrebt ist das Gegenteil: eine möglichst offene Institution, die feinmaschig unterschiedliche Akteure vernetzt und sich mit dem Umfeld verbindet. Nach zehn Jahren kann man sagen: Das ist durchaus gelungen.

Gegründet wurden die Uferstudios von Tanzschaffenden selbst. Anfang der 2000er fehlten in Berlin Probenstudios und Auftrittsmöglichkeiten. Steigende Mieten brachten die nach der Wende rasant gewachsene, international beachtete Tanzsparte in Bedrängnis. Aber eine öffentlich finanzierte Spielstätte, wie für Theater, Oper und Konzert, stand nicht in Aussicht. Also krempelte die Kulturmanagerin Barbara Friedrich die Ärmel hoch und schuf mit vielen Kompagnons Abhilfe.

Nachhaltig wirkt ihr Kraftakt: Für den Umbau akquirierten sie beträchtliche Lottomittel, das Gelände ist via Erbpacht bis 2208 für den Tanz gesichert. Nach wie vor sind die Uferstudios selbstverwaltet, finanziert wird ihr Betrieb durch die Vermietung von Probenräumen, in diesem Jahr kommt eine Senatsförderung zur Stärkung dezentraler Tanzorte hinzu. In 14 Studios kann, nach einem ausgeklügelten Belegungsplan, rund um die Uhr trainiert, geprobt und aufgeführt werden. Ein Zusammenschluss mehrerer Institutionen ermöglicht ein Kreislaufsystem, das Künstlerinnen in ihrer Entwicklung begleitet: Das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz Berlin bildet Tänzer und Choreografinnen aus. Am ada-Studio können sie erste Arbeiten zeigen, später ins Bühnenprogramm der Tanzfabrik wechseln, und in Förderfragen berät sie das Tanzbüro.

Professionell produziert wird hier, und zugleich erinnern die Uferstudios an eine WG: Im Sommer trifft man sich auf dem weitläufigen Hof, in der Gemeinschaftsküche stapelt sich Geschirr. Aus flüchtigen Begegnungen entstehen langjährige Kooperationen, und Projekte wuchern wie der von Jared Gradinger angelegte Garten. Vor Corona war auch der Kiez zu Festen geladen, seit Abstand herrscht, stehen kleinere, langfristige Anwohner-Projekte im Fokus. Weil aber der Tanz ohne den Kontakt nicht auskommt, wird um jede Live-Veranstaltung gerungen: Am Sonnabend feiern die Uferstudios, streng nach Hygienekonzept, ihr zehnjähriges Jubiläum. Umsonst und draußen gibt’s Hof-Performances, drinnen laufen Tanzvideos und Aufführungen, der Abend endet mit einem Konzert. In diesen Zeiten eine realisierte Utopie.

10 Jahre Uferstudios, 10. Oktober, ab 16 Uhr, Informationen: www.uferstudios.com