Wenn Männer weinen.
Foto: imago images/McPHOTO

BerlinHeulende Männer. Eigentlich sind sie ja eine gute Sache. Gefühle zulassen, Emotionen zeigen, nicht immer den harten Kerl spielen müssen, sondern auch mal auf der Kuschelrock-Seite des Lebens stehen. Immer noch besser, als wenn Männer prügeln. Oder als wenn sie Waffenarsenale anlegen oder in den Krieg ziehen, oder Listen von Gegnern schreiben wollen, die ihnen im Weg stehen, oder gleich zum KSK gehen, wo das alles legal ist. Nein, da sind heulende Männer besser.

Auf der anderen Seite können sie ganz schön nerven. Am Sonntag zum Beispiel liefen im Radio die hundert besten Songs mit Vornamen im Titel. Ich habe neunzig Minuten lang zugehört und in diesen neunzig Minuten haben praktisch nur Männer gesungen, von wenigen Ausnahmen abgesehen wie „Gloria“ von Patti Smith. Meistens ging es darum, dass die Männer a) von einer Frau verlassen oder b) nicht erhört oder c) betrogen worden sind. Es war eine Ansammlung des Jammers, des Leidens, der Klage. Selten galt der Satz, dass Männer Verbrecher sind weniger als hier. Zur Strafe gab es gleich auch ein paar Lieder über tote Frauen. Später habe ich mir die Liste der Lieder angesehen, auf den ersten Plätzen war eine Sängerin, auf Platz fünf von fünf: Niemand heult besser als ein Mann.

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