Plastikmüll scheint einfach überall zu sein. Dass Plastik, genauer Mikroplastik, in fast allen Gewässern der Welt und sogar in der Arktis gefunden wurde, ist erschreckend genug. Nun haben Forscher aus Österreich bei einer Pilotstudie auch im menschlichen Stuhl Mikroplastik entdeckt. Die Welt hat ein Plastikproblem. Darum wurde an diesem Mittwoch im EU-Parlament über eine EU-Richtlinie zu Plastikverpackungen abgestimmt.

Die Entscheidung: Neun verschiedene Einwegprodukte aus Plastik werden per Gesetz EU-weit verboten: Trinkhalme, Besteck, Teller, Luftballonstäbe, Rührstäbchen für den Kaffee, sehr dünne Plastiktüten, Wattestäbchen, Getränkeverpackungen aus erweitertem Polystyrol und sogenanntes „oxo-abbaubares Plastik“ – ein Material mit Metallbeimischung.

Deutschland produziert EU-weit den meisten Verpackungsmüll, nämlich jährlich 220 Kilo pro Kopf (EU-Durchschnitt: 167 Kilo). Hier soll das EU-Gesetz bis spätestens 2021 umgesetzt werden. Verbraucher können aber schon jetzt einiges tun, um nachhaltiger zu leben. Wir haben für Sie zehn erste Schritte zur Plastikmüllvermeidung zusammengetragen:

Beutel statt Plastik-/Papiertüte

Plastik macht drei Viertel des Abfalls in den Meeren aus. Es braucht bis zu 500 Jahre, um zu zerfallen. In Deutschland verbrauchte jeder Einwohner etwa 70 Plastiktüten pro Jahr – bis 2016 viele deutsche Unternehmen wie real, Aldi, Vero Moda und Co. die kostenlose Tüte an der Kasse verbannt haben. Wer heute also keinen Stoffbeutel zum Einkaufen dabei hat, muss für seine Plastiktüte zwischen 20 und 50 Cent zahlen. Einen Stoffbeutel stets in der Tasche zu haben, lohnt sich somit für die Umwelt und fürs Portemonnaie. Tipp: Das geht auch für den spontanen Brötchen- oder Gebäckkauf. Ein kleines Stoffbeutelchen ist schnell aus Stoffresten genäht und der Bäcker kann sich die Papiertüten sparen.

Plastikfrei einkaufen
In den meisten Supermärkten lässt sich Plastik einfach nicht vermeiden. Linsen, Nudeln, Bio-Gurken – fast alles ist in Plastik verpackt. Dem wirken drei Unverpackt-Läden in Berlin und ein Unverpackt-Laden in Potsdam entgegen. In Kreuzberg, Friedrichshain und Prenzlauer Berg finden sich „Original Unverpackt“, „Unverpackt Berlin Friedrichshain“ und „Der Sache wegen“. In Potsdam finden Kunden im „maßVoll“ verpackungsfreie Produkte. Wir haben für Sie eine Sammlung von weiteren Berliner Supermärkten und Fachgeschäften zusammengestellt, mit deren Hilfe Sie sich künftig von den Plastikverpackungen befreien können. Klicken Sie sich einfach durch unsere Unverpackt-Karte.

Es lohnt sich außerdem, im lokalen Supermarkt an der Käse- und Wursttheke nachzufragen, ob die Lebensmittel in eine eigens mitgebrachte (und saubere) Box gefüllt werden können, um Plastikmüll zu vermeiden. Das geht in allen Denn‘s Biomärkten, aber auch in einigen Edeka-Filialen wie zum Beispiel am Alexanderplatz.

Die Bio-Company testet das Projekt derzeit in vier Berliner Filialen:

Edelstahlflasche

Kritiker von Flaschenwasser bezeichnen es als einen der besten Marketingtricks unserer Zeit. Gesünder als Leitungswasser ist das Flaschenwasser fast nie. Laut Verband Deutscher Mineralbrunnen schleppte 2017 trotzdem noch jeder Deutsche im Durchschnitt 145 Liter Wasser in Flaschen (75 Prozent davon sind Plastikflaschen) nach Hause, statt einfach den Wasserhahn aufzudrehen. Dabei kosten 1,5 Liter Leitungswasser derzeit nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in Deutschland gerade mal 0,3 Cent – die billigste Plastikflasche aus dem Supermarkt kostet fünf Mal so viel. Es lohnt sich also sowohl für die Umwelt, als auch für den eigenen Geldbeutel, eine Glas- oder Edelstahlflasche für den langfristigen Gebrauch anzuschaffen. Der Kauf rentiert sich spätestens nach einem Jahr.

Mehrwegbecher

Kaum zu glauben, aber wahr: In Deutschland werden pro Stunde (!) 320.000 Kaffeebecher aus Pappe zusammen mit einem Plastikdeckel über den Tresen gereicht. „Kaffee to go“ ist sehr praktisch und morgens in der Bahn oft das einzig Erfreuliche. Doch allein durch den Einwegbecher sammeln sich in Deutschland jährlich 40.000 Tonnen Müll. Wer sich drei Kaffeebecher pro Woche leistet, hat am Ende des Jahres 150 Becher mit ebenso vielen Plastikdeckeln verbraucht – für eine Nutzung von jeweils 15 Minuten, bevor der Becher im Eimer landet. Hier kann mit einem Mehrwegkaffeebecher also jede Menge Müll gespart werden.

Rasierhobel

Rasierhobel sind in der Zero-Waste-Bewegung gerade voll im Trend. Sie sind nicht nur umweltfreundlicher und plastikfrei, sondern auf Dauer auch noch günstiger als Nassrasierer aus Plastik. Ein gewöhnlicher Rasierhobel kann bereits für zwanzig Euro erworben werden, 100 Rasierklingen dazu kosten etwas mehr als zehn Euro. Somit hat sich die Anschaffung schnell rentiert. Für das gleiche Geld bekommen Rasierfreudige nämlich etwa 50 Einwegrasierer. Und von da an wird das Rasieren noch billiger, weil natürlich nur die Rasierklingen wieder angeschafft werden müssen.

Menstruationsbecher
Etwa 12.000 Binden und Tampons verbraucht jede Frau in ihrem Leben. Das verursacht nicht nur unglaublich viel Müll durch die Papier- und Plastikverpackungen und die Tampons und Binden selbst. Bei jedem herkömmlichen Tampon wurden Pestizide verwendet, Bleichmittel eingesetzt und Ressourcen für den Transport verbraucht. Durch die weiten Wege entstehen jede Menge CO2-Emissionen. Nachhaltig sieht anders aus. Die Zero-Waste-Bewegung hat darum Menstruationsbecher für sich entdeckt. Die kleinen, kelchförmigen Behälter sind meist aus weichem medizinischem Silikon hergestellt. Sie werden ähnlich wie Tampons angewendet, aber nach dem Gebrauch nicht weggeworfen sondern gereinigt und wiederverwendet. Die Kosten: Je nach Marke zwischen zehn und 16 Euro. So rentiert sich ein Menstruationsbecher im Vergleich zu Tampons schon nach einem Jahr. Die Becher sind viele Jahre haltbar. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Produktion in Deutschland erfolgt ist, um auch beim Transportweg umweltfreundlich zu bleiben.

Verpackungsfreie Haar- und Körperseife

Oma hat es vorgemacht, die Zero-Waste-Bewegung macht es nach: Ein großer Teil des Plastikmülls entsteht durch die Verpackungen von Shampoo, Haarspülungen, Körpermilch und Duschgelen. Diese können ganz einfach durch feste Seifenstücke aus dem Reformhaus, Bio-Supermärkten oder Seifenläden ersetzt werden. Ob Haarseifen, Schafsmilchseifen, Peelingseifen oder Ölseifen – die Produktauswahl ist groß geworden. Auch in unserer vorher verlinkten Liste mit Unverpackt-Läden finden Sie zwei Berliner Seifen-Shops. Beim Kauf sollte wieder auf die Herkunft der Zutaten geachtet werden, um möglichst wenige CO2-Emissionen zu verursachen.

Mikroplastik

Viele Pflegeprodukte enthalten winzige Plastikstücke, sogenanntes Mikroplastik. Ebendieses Mikroplastik wurde nun in der Pilotstudie von österreichischen Forschern in menschlichem Stuhl entdeckt. Welche genauen Folgen das Plastik für den Menschen hat, ist noch unklar. Tragisch ist zumindest die Wirkung von Mikroplastik auf Meerestiere. Kleine Krebse, aber auch Seehunde Fische und Muscheln nehmen es bei der Nahrungsaufnahme mit auf. Der Organismus kann das Mikroplastik nicht ausscheiden und die Tiere verhungern mit vollem Magen. Zwar sind die kleinen weißen und blauen Kügelchen noch in wenigen Zahnpasten enthalten, jedoch in zahlreichen anderen Produkten wie Peelings, Duschbädern oder Sonnencremes. Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat eine Liste der Produkte veröffentlicht, die Mikroplastik enthalten – den Bund-Einkaufsratgeber

Holzzahnbürste

Vier Zahnbürsten verbraucht der Deutsche im Jahr, wenn er der Empfehlung von Zahnärzten folgt. Damit landen in Deutschland etwa 300 Millionen Zahnbürsten aus Plastik im Mülleimer. Wer hier der Umwelt etwas Guten tun will, kann auf Bambuszahnbürsten, zum Beispiel von Bamboo, BeeClean oder Hydrophil umsteigen. Die Zahnbürsten von Hydrophil zum Beispiel werden ohne zusätzliche Bewässerung hergestellt und zehn Prozent des Verkaufs werden an den gemeinnützigen Verein Viva con Aqua gespendet. Mit einem Preis von drei bis vier Euro pro Stück sind die Bambuszahnbürsten allerdings etwas teurer als herkömmliche.

Selber machen statt kaufen

Wer viel selber macht, spart jede Menge Plastikmüll. Nicht nur Essen kann selbst zubereitet werden, sondern passend zur nachhaltigen Zahnbürste sogar die Zahnpasta – ganz ohne Mikroplastik. Aus vier bis fünf Esslöffel Kokosöl (im Wasserbad erwärmen, damit es flüssig wird), zwei bis drei Esslöffel feinem Natronpulver und einem Einmachglas machen sich bereits viele Do-It-Yourself-Fans ihre eigene Zahnpasta. Waschmittel, Geschirrspülmittel oder Allzweckreiniger lassen sich ebenfalls zu Hause herstellen. Tipps und Rezepte stellt zum Beispiel das Berliner Nachhaltigkeitsportal smarticular.net zur Verfügung.