Es gibt mal wieder Krach in der Akademie der Künste. Aber diesmal richtig. Auf der turnusmäßigen Mitgliederversammlung, die am Freitag und Sonnabend abgehalten wird, wollen etliche Akademieangehörige gegen eine Entscheidung der vor einem halben Jahr neu gewählten Präsidentin Jeanine Meerapfel aufbegehren. Es geht um einen Akt beachtlicher präsidialer Willkür. Frau Meerapfel hatte der renommierten Archivarin Birgit Jooss, die erst im April, noch in der Amtszeit ihres Vorgängers Klaus Staeck, eingestellt worden war, kurz vor Ende der Probezeit gekündigt.

Frau Jooss (50) hatte zuvor acht Jahre lang das Deutsche Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg geleitet. Ihr Publikationsliste ist lang, sie galt als Glücksfall für das Archiv der Akademie der Künste, nachdem dessen langjähriger, verdienstvoller Leiter Wolfgang Trautwein in den Ruhestand getreten war. Die für die Kündigung von Frau Jooss ihr gegenüber angeführten Gründe waren offenbar derart diffus und unerheblich, dass zwei Mitglieder des Archivbeirates, Prof. Thomas Deecke und Frank Harders-Wuthenow, von ihren Ämtern aus Protest zurückgetreten sind.

"Das rettet die Akademie"

Der Maler Johannes Grützke spricht von einer „ekelhaften Sache“ und fordert die Rücknahme der Kündigung im Interesse der Akademie. „Das muss gehen. Das rettet die Akademie. Falls nichts geschieht, hat die Akademie an Ansehen und Ehrenhaftigkeit verloren. Wer will denn da noch Mitglied sein?“

Der Streit ist zu verstehen vor dem Hintergrund der programmatischen Entwicklung der Akademie der Künste. Sie hat in den vergangenen Jahren unter einem noch von Klaus Staeck installierten neu geschaffenen Programmdirektor einen beträchtlichen Ehrgeiz entwickelt, zu einem agilen Mitspieler in der Berliner Veranstalterszene zu werden. Auf dem Parkett der flüchtigen Eitelkeiten will sie seitdem ganz vorne mitmischen.

Viele Beobachter und Mitglieder fürchten, dass die Akademie zugunsten dieses aufmerksamkeitsheischenden Treibens ihre traditionellen Aufgaben in den Hintergrund treten lässt. Also wieder der Angriff der Gegenwart auf die Vergangenheit. Mit einem Archiv erntet man naturgemäß weniger öffentliche Beachtung als mit Veranstaltungsspektakeln. Wer weiß schon, dass das Berliner Archiv das wohl bedeutendste Künstlerarchiv Deutschlands ist? Es ist die größte Abteilung der Akademie; fast 90 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Die Vermutung steht im Raum, dass man für die Archivleitung jemanden sucht, der seinen Ehrgeiz weniger auf die bewahrende Arbeit des Archivs richtet, sondern sich geschmeidig in den Willen zum Zirkus einfügt. Der „Schwindel der Wirklichkeit“ – so der Titel eines in jeder Hinsicht ausufernden Großprojektes der Akademie im Jahr 2014 – könnte die ehrwürdige Institution in die Krise treiben.

Jeanine Meerapfel streitet das ab. Sie sagt, dass sie auch aus ihrer persönlichen Geschichte als Emigrantin heraus größtes Interesse an den Gedächtnisfunktionen der Akademie habe. Sie trete immer für eine Erhaltung und Stärkung des Archivs ein. Gerade deshalb suche sie eine brillante Leitung für das Archiv. Aber was ist brillant? Sich möglich dienstbar für die Programmabteilung machen? Wenn alles gut geht, wird am Wochenende auch über das Selbstverständnis der Akademie gesprochen.