Zu Asche, zu Staub: „Babylon Berlin"-Band bringt Album raus

Das Moka Efti Orchestra hat die Titelmusik zu "Babylon Berlin" beigesteuert. Jetzt ist daraus ein ganzes Album geworden, das im Ballhaus Berlin vorgestellt wurde.

Berlin-Wenn tonsicher ein Tango aus Blechblasinstrumenten herausgequetscht wird, tendieren die Gefühle nicht selten ins Abgründige - und schreiten dann doch in pathetischer Eleganz darüber hinweg. „Und wie es weitergeht, und wie die Welt sich dreht“, heißt es in dem mehr gesummten als gesungenen "Fatalist Tango" des Moka Efti Orchestras, „ist mir egal."

Die charismatische Sängerin Severija Janušauskaitė bei der Record-Release-Party des Moka Efti Orchestras.
Die charismatische Sängerin Severija Janušauskaitė bei der Record-Release-Party des Moka Efti Orchestras.Roland Owsnitzki

Alles ist Zitat

Man ist versucht zu ergänzen: scheißegal. Aber das wäre völlig falsch, denn bei den Klangimitaten, die das Moka Efti Orchestra rund um die 20er-Jahre, oder das, was man gemeinhin für das Charakteristische der Epoche hält, arrangiert hat, kommt es auf stilistische Präzision und Takt nicht nur in musikalischer Hinsicht an. Bei aller Lust an der Übertreibung geht es bei der von Nikko Weidemann, Mario Kamien und Sebastian Borkowski geleiteten Formation um Stimmigkeit und launig forcierte Paradoxien. Denn im Grunde ist alles an der 14-köpfigen Bigband, die ursprünglich zur Hervorbringung eines originellen Soundtracks für die TV-Serie „Babylon Berlin" ins Leben gerufen worden war, Zitat. Das gilt zuallererst für den Namen selbst, der auf das legendäre Tanzlokal Moka Efti am Tiergarten verweist, und in dem im Film der Roxy-Music-Sänger Brian Ferry einen ganzen Song lang auf der Bühne stand. Auch das ein filmisches Zitat, denn 2013 hatte Brian Ferry seinen Song „Love Is The Drug“ zu Baz Luhrmans Film „The Great Gatsby“ beigesteuert.

Die kleine, improvisierte Bühne im Ballhaus Berlin in der Chausseestraße, wo das Moka Efti Orchestra am Montag sein soeben erschienenes Debütalbum vorstellte, war räumlich deutlich enger als die Filmbühne, und so schienen sich die einzelnen Musiker während des unterhaltsamen Abends immer wieder mit einem Solo - Klarinette, Bassposaune, Violine und Trompete - etwas Luft verschaffen zu wollen.

Record-Release-Party als entspanntes Live-Erlebnis

Das Album trägt den Titel "Erstausgabe" und ein anschwellender Geburtsstolz war es dann auch, der die Record-Release-Party zu einem entspannten Live-Erlebnis machte. Das Moka Efti Orchestra ist als Zufallsprojekt entstanden und durch die Hinzuziehung von einem Gast wie Moritz Krämer von dem Berliner Projekt Die höchste Eisenbahn scheint man sich den Charakter der spontanen Zusammenkunft bewahren zu wollen. Sein Song "Süße Lügen" schmiegte sich an den Sound der Zeit.

Jazz, Swing, Ragtime und Schlager kulminierte so zu einem fröhlichen Stilmix, der zum Tanzen einlud, um schließlich doch auf seinen hymnischen Höhepunkt zuzusteuern, wenn die statuarische litauische Sängerin, Regisseurin und Komponistin Severija Janušauskaitė zu ihrem Filmhit „Zu Asche, zu Staub" anhebt. Ein Zitat inzwischen auch das, denn natürlich schüttelt man auf dem Nachhauseweg dieses Zarah Leander-Gefühl nicht mehr ab. Aber warum sollte man auch?