Julie Favreau „Will Deliquesce“, 2017; Video Still.
Foto: Schwartzsche Villa/ Julie Favreau

Berlin-In beiläufiger Berührung streift die Hand des Mannes über die nackte Schulter der Frau. Zwischen sie schiebt sich ganz langsam wie in Zeitlupe jemand Drittes. Und während eine weitere Person sich von dem Grüppchen entfernt, schwebt plötzlich ein hautfarbenes Objekt in die Szene. Als wäre das künstliche Körperteil gerade aus der ästhetischen Chirurgie entkommen, nimmt der technoide Fremdkörper Teil an dem meditativen Berührungsritual, an dieser Choreografie der Gesten und des Abtastens.  Und so entwickelt sich ein zärtlicher Tanz, der das Ergründen der Körperoberflächen und ihrer Haptik in intimer Nähe und zugleich kühler Distanz vorführt und in eine Art Trancezustand versetzt.

In ihrer Videoinstallation „Will Deliquesce“ greift die junge kanadische Künstlerin und Performerin Julie Favreau den seit jeher faszinierenden Topos der Beziehungen zwischen Mensch und Maschine auf. Fokussiert auf den Berührungssinn erweitert sie ihn jedoch zu einer Körper-, Art- und Gattungsgrenzen überschreitenden Sinnes-Maschine und erforscht so deren Beziehung zu Erotik und Begehren. Julie Favreau spielt darin auf eine Synthese aus Computertechnologie und Sinnlichkeit an, wie sie etwa in den inzwischen alltäglichen Wisch-Gesten vorkommt, mit denen wir die Oberfläche eines Smartphones streicheln.

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