Der Stuttgarter Jazzmusiker Wolfgang Dauner ist gestorben. 
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StuttgartIn der kurzen Phase der 70er- und 80er-Jahre, in der Jazz und Jazzrock als ein integraler Bestandteil der populären Musik galt, war Wolfgang Dauner deren Spiritus Rector. Und wie bei allen guten Jazzern, die in der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit erwachsen wurden, verliefen die professionellen Anfänge über die Unterhaltungsmusik. Der 1935 in Stuttgart geborene Wolfgang Dauner verdiente in den 50er-Jahren sein Geld als Trompeter in Tourneebands von Marika Rökk, Lale Anderson und Zarah Leander. Sein bevorzugtes Instrument aber war das Jazzpiano, und nach einem Studium für Trompete und Komposition wurde er ein gefragter Studiomusiker für amerikanische Jazzer wie Benny Bailey, Leo Wright und Robin Kenyatta.

Folgenreich für die weitere musikalische Entwicklung war 1963 die Begegnung mit dem Bassisten Eberhard Weber, mit dem Dauner zusammen mit dem Schlagzeuger Fred Braceful das Wolfgang-Dauner-Trio gründete, das fortan zu Stammgast auf allen wichtigen Jazzfestivals in Deutschland war, die auf eine einschlägig-kompetentes Publikum setzen konnten. Der Name Dauner stand für ein deutsches Qualitätsprodukt eigenständig progressiver Musik. Die Popularitätsgrenze in Richtung Massengeschmack überschritten Weber und Dauner dann mit der Gründung des United Jazz und Rock Ensemble im Jahre 1975, zu dem prominente internationale Musiker wie Jon Hiseman (Colosseum), Charlie Mariano, Barbara Thompson sowie der deutsche Gitarrist Volker Kriegel und das Posaunengenie Albert Mangelsdorff und dessen Bruder Emil Mangelsdorff gehörten.
Neben legendären Live-Auftritten des United Jazz and Rock Ensembles erreichte die illustre Fusion-Truppe vor allem über den Plattenvertrieb des legendären Zweitausendeins-Versandes Kultstatus.

Wolfgang Dauner war musikalisch umtriebig und stets neugierig auf Kooperationen. 1976 wurde seine Jazzoper "Der Urschrei" beim Berliner Jazz Fest uraufgeführt. Er brachte der "Sendung mit der Maus" Jazztöne bei, und für Konstantin Wecker war er für einige Zeit Produzent und musikalischer Leiter. Dauner spielte mit Jazzgrößen wie Chick Corea und Terje Rypdal - und Mitte der 80er-Jahre stieß sein Sohn Florian Dauner als Schlagzeuger zum United Jazz und Rock Ensemble, das noch immer als Leuchtturm der damals sich in alle Richtungen verströmenden Fusionbewegung gilt. Mit Florian Dauner veröffentlichte Vater Dauner zuletzt 2014 und 2016 neue Alben. Am Freitag ist Wolfgang Dauner im Alter von 84 Jahren gestorben.