„Wir sind zusammen den Abgrund langspaziert / und haben uns dabei ganz köstlich amüsiert / mal ich vor Dir / mal Du vor mir / doch jetzt kann ich leider nicht mehr weitergehen…“ So beginnt das neue Album von Almut Klotz und Christian Dabeler, das am kommenden Freitag erscheint. Der Song heißt „Mylord“; zu fröhlich drauflos geschrubbter Gitarre und einer wimmernden Orgel singt Almut Klotz von einer Wanderung durch die Berge, immer höher hinauf und auf immer engeren Wegen dem Himmel entgegen und dem „Mylord“, bis es am Ende, nun nicht mehr heiter, sondern fast bittend heißt: „Mylord, bleib er stehen / nicht mehr weitergehen.“

Sie wusste wohl, dass dies ihr letztes Album sein würde. Aber sie plante dazu noch Konzerte, eine Tournee, Ende September sollte es im Monarch Club eine Release Party geben. Es ging dann aber doch alles zu schnell. In der Nacht zum Freitag ist Almut Klotz mit 50 Jahren an Krebs gestorben.

Alles begann mit den Lassie-Singers

Ihre musikalische Karriere begann Mitte der Achtziger in Westberlin. Mit Christiane Rösinger und Funny van Dannen spielte sie 1988 im Fischbüro die ersten Konzerte unter dem Namen Lassie Singers. In den folgenden zehn Jahren – und in wechselnden Besetzungen um die Songschreiberinnen und Sängerinnen Klotz und Rösinger herum – schenkten die Lassie Singers der Welt sechs großartige Platten. Man denke an Songs wie „Pärchenlüge“ von dem Debüt „Die Lassie Singers helfen Dir“ mit der bis heute unermüdlich zitierten Zeile: „Pärchen, verpisst Euch, keiner vermisst Euch!“ Oder an „Hamburg“ von dem 1992er Album „Sei A Go Go“ mit der für die globale Kreativklasse bis heute gültigen Einsicht: „Nur weil wir keine Ausbildung haben, machen wir den ganzen Scheiß.“

1998 lösten die Lassie Singers sich auf, „Touren macht dick, alt und hässlich“, befanden sie damals. Der Musik blieben sie dennoch treu. Wiederum mit Rösinger gründete Klotz das Label Flittchen Records und betrieb die Flittchen Bar in der alten Maria am Ostbahnhof, auch spielte sie in den Bands Parole Trixi und Maxi unter Menschen. Im Popchor Berlin, den sie 2001 gründete, brachte sie die halbe Berliner Hipster-Szene erfolgreich zum gemeinschaftlichen Singen.

Essayistin und Autorin

Vor allem aber reüssierte sie in jenen Jahren als Autorin und Essayistin. Seit Ende der Neunziger schrieb sie auch für das Feuilleton dieser Zeitung, von 2001 bis 2011 eine regelmäßige Kolumne „Unterm Strich“, in der sie in lustigem, sarkastischem, aber nie bitterem Ton die Veränderungen in dieser Stadt und in ihrem Leben kommentierte; es ging um Gentrifizierung und das Älterwerden in der Ausgehkultur, aber auch um die „teuflische Freude“, die sie empfand, als ihr damals 15-jähriger Sohn von seinem ersten Brotjob völlig erschöpft nach Hause kam, lammfromm und gefügig wie noch nie in seiner Pubertät.

Mit Christian Dabeler, ihrem musikalischen Partner und Lebensgefährten, hat sie vor wenigen Wochen noch Hochzeit gefeiert. „Lass die Lady rein“ heißt das letzte Album der beiden. Das liest sich nun, schreiben ihre Freunde vom Staatsakt Label, wie „Knockin’ On Heaven’s Door“.

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Hier können Sie dem Lied „Und wann kommst du“ von Almut Klotz lauschen.