Berlin - „In Ihrem Aufsatz, in dem ja offenbar mein Alter Erwähnung finden soll und meine langsam ausbleibenden Auftritte, darin werden Sie doch auch mitteilen, was mein Leben eigentlich ausmachte und also wer ich bin?“, erkundigte sich Gisela May gewissenhaft, kurz vor einem Jubiläums-Geburtstag. Aber ja, verehrte Frau May, selbstverständlich, steht alles drin, dass Sie zu den wirklich Großen der Bühne gehören, weit gereist … – „Oh, nein bitte, schreiben Sie das nicht: weit gereist. Wie klingt denn das? Menschen hier im Osten könnten denken, ich sei bis Sofia und Moskau gekommen, ist auch weit, aber ich war doch in der Welt unterwegs. Das gehörte damals nicht zu den Selbstverständlichkeiten, leider.“

Tatsächlich war die Brecht-Interpretin Gisela May die berühmteste Diva aus der DDR in der Welt. Beides hat ihr Leben geprägt, dabei waren schon die Begriffe ein Widerspruch in sich – DDR und Diva. Denn ohne sich selbst je so zu bezeichnen war sie selbstverständlich eine bedeutende Figur des Bühnenlebens mit hoheitlich-divenhafter Präsenz.

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