Zu den ersten Prominenten, die Jerry Weintraub nach seinem Tod würdigten, gehörte George Bush der Ältere, einst Präsident der USA. „Jerry war ein amerikanisches Original, der Erfolg hatte dank der schieren Kraft seines Instinkts, Antriebs und seiner herausragenden Persönlichkeit.“ Elogen aus solchem Mund dürften im sich liberal gebenden Hollywood eigentlich keinen guten Klang haben. Aber es fände sich wohl niemand, der etwas Schlechtes über den einem Herzinfarkt erlegenen Filmproduzenten sagen würde. Nach mehr als einem halben Jahrhundert im Showgeschäft macht man sich zwar auch eine Menge Feinde, aber Weintraub erschien wie eine Figur, die aus einer anderen Epoche stammt.

Er war ein Hasardeur, der Entscheidungen noch aus dem Bauch traf – gerade so, wie er es als Kind aus der Bronx gewohnt war. Nicht von ungefähr wird sein Name mit der „Ocean’s Eleven“-Filmreihe verbunden bleiben. Stets trat Weintraub großspurig und selbstbewusst auf. Das Klischee, „larger than life“ zu sein, also größer als das Leben, wurde für einen wie ihn erfunden.

Mit seinem markig verwitterten Gesicht hätte er selbst einen Filmstar abgeben können. Tatsächlich nahm der 1937 in New York als Sohn eines Juwelen-Handlungsreisenden geborene Jerry Weintraub nach seinem Militärdienst bei dem großen Sanford Meisner Schauspielunterricht. Ins Showgeschäft kam er dann aber als Laufbursche beim Fernsehen und wurde Mitte der 1950er-Jahre Künstleragent. Zeitweilig gehörte er zu John F.Kennedys Wahlkampfstab. Als Promoter und Manager vertrat er Künstler wie Frank Sinatra, Bob Dylan, Dolly Parton, die Beach Boys und John Denver.

Weintraubs Hartnäckigkeit war gefürchtet. Mit einem „Nein“ gab er sich nie zufrieden. Der Durchbruch in der Branche gelang ihm, als er Elvis Presleys Manager „Colonel“ Tom Parker in den 1960ern ein Jahr lang täglich anrief, um Presley zu einer Tournee zu bewegen. Nachdem er 365 Mal abgesagt hatte, rief Parker ihn an: Weintraub solle selbst eine Million US-Dollar investieren. Die hatte Jerry Weintraub zwar nicht, er besaß dafür aber enorme Überredungskunst.

Ins Filmgeschäft kam er, als sein Klient John Denver einen Auftritt in „Nashville“ (1975) absolvieren sollte. Daraus wurde zwar nichts, aber Weintraub fungierte als ausführender Produzent von Robert Altmans sarkastischer Sittenstudie der Country-Metropole. Zwei Jahre später gelang es ihm dann doch, seinen Klienten als Filmstar zu lancieren: John Denver konnte George Burns, der in „Oh, Gott“ Zigarre schmauchend die Titelrolle spielt, zwar nicht die Schau stehlen – die Komödie avancierte aber zu einem Überraschungserfolg und zog einige Fortsetzungen nach sich.

Im Filmgeschäft debütierte der Außenseiter Weintraub genau im richtigen Augenblick: als die thematischen und ästhetischen Umbrüche des New Hollywood vom Blockbuster-Kino abgelöst wurden. Weintraub verdiente in den 1980ern viel Geld mit der „Karate Kid“-Filmreihe. An Erfolgsideen hielt er fest. Nach drei Folgen gab er eine TV-Serie um den halbwüchsigen Kampfkunst-Champion in Auftrag und belebte das Franchise 2010 neu.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits ein weiteres lukratives Franchise in seinem Portfolio: die Wiederauflage von „Ocean’s Eleven“, im Original hatte einst sein Freund Sinatra lässig geglänzt. Weintraub hatte in allen drei „Ocean’s“-Filmen verschmitzte Gastauftritte. Nebenher entwickelte er auch fragilere Stoffe wie Barry Levinsons Regiedebüt „American Diner“, und er ging ein unerhörtes Risiko mit William Friedkins Polizeifilm „Cruising“ ein, der 1980 heftige Proteste in der Schwulenszene auslöste.

Auch Weintraubs Flops waren epochal. Die bizarre Neuauflage von „Mit Schirm, Charme und Melone“ (1998) war wohl die törichtste Idee seiner Laufbahn. Seinem Ruf konnten solche Fehlentscheidungen wenig anhaben. Sein Charisma war einfach zu stark – wie auch der unbescheidene Titel seiner 2010 erschienen Memoiren belegt: „When I Stop Talking, You'll Know I’m Dead: Useful Stories From a Persuasive Man“. Nun ist Jerry Weintraub im Alter von 77 Jahren verstummt.