Grünwald/München - Wer heute fünfundzwanzig ist, kannte ihn als Lord David Dickham aus der Filmkomödie „Neues vom Wixxer“. Wer heute fünfundsiebzig ist, wird mit dem Namen Joachim Fuchsberger vielleicht den „Gefreiten Asch“ aus der Kinotrilogie „08/15“ von Paul May verbinden.

Zwischen diesen beiden Publikumserfolgen entfaltete sich ein langes und erfülltes Bühnenleben. Bis ins hohe Alter hinein drehte Joachim Fuchsberger Kino- und Fernsehfilme. So sah man ihn mit ungebrochener Spielfreude noch vor wenigen Jahren in der ARD-Komödie „Die Spätzünder“. Trotz dreier Bypässe und einem Herzschrittmacher spielte er noch Theater mit seinem Lieblingskollegen Ralf Bauer.

Aber natürlich war er sich seines hohen Alters bewusst. 2003 erlitt er einen Schlaganfall, 2013 einen weiteren. In der Talkshow „Maischberger“ sprach er 2010 offen über seine erst kurz zurückliegende lebensbedrohliche Viruserkrankung. Weil er dem Tod da schon ins Auge geblickt hatte, habe er sich bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ beim Publikum mit einem kurzen, aber existenziellen eindringlichen Wunsch verabschiedet: „Auf Wiedersehen.“

Seit Donnerstagmittag ist klar: Auf dieser Welt wird es kein Wiedersehen mehr geben, wie nun bekannt wurde, starb Joachim Fuchsberger im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Grünwald bei München. „Die Organe haben nicht mehr mitgemacht“, sagte seine Frau. In den vergangenen Wochen sei Fuchsberger in mehreren Kliniken behandelt worden und danach wieder nach Hause gekommen. „Er dachte, es klappt.“ Es klappte nicht.

Ein Star des Nachkriegskinos

Als bekennender Agnostiker glaubte er auch nicht an ein himmlisches Wiedersehen. „Feierabend“ sei nach dem Tod, sonst „nix“, erläuterte er einer Journalistin im Interview seine Überzeugung. Und zitierte zu diesem Zweck dann doch die Bibel: „Aus Staub bist du gemacht, zu Staub wirst du werden.“

Mit 17 Jahren kurz vor Kriegsende noch zur Wehrmacht eingezogen, war Fuchsberger nach eigenem Bekunden im Feld vom Glauben abgefallen. „Was war das für ein Gott“, fragte sich der junge Soldat, „in dessen Namen Waffen gesegnet wurden, mit denen man sich dann gegenseitig umbrachte?“

Zehn Jahre später wurde Joachim Fuchsberger mit einer Soldatenfigur zum Star des deutschen Nachkriegskinos. Seine erste tragende Filmrolle war der schlaue und aufrichtige „Gefreite Asch“, seine Figur atmete das Lebensgefühl der Wirtschaftswunderjahre, in denen alle den Krieg vergessen wollten, aber nicht konnten. Die Filme der „08/15“-Reihe führten den Soldaten Asch von der schikanösen Soldatenausbildung bis nach Stalingrad, ummantelten ihre antimilitaristische Haltung aber mit einem dicken Zuckerguss spaßiger Unterhaltung. Die Regiestars des „Jungen deutschen Films“ nannten diese Dramaturgie später abfällig „Opas Kino“ und ließen deshalb die Nachkriegsstars bei Filmbesetzungen links liegen.

„Blacky, jeib“

Fuchsberger, der sich ohnehin zeitlebens weniger als Schauspieler, sondern bestenfalls als „brauchbarer Darsteller“ verstanden hat, spielte nach „08/15“ noch eine Weile andere Uniformrollen, bis ihn in den Sechzigerjahren die Rialtofilm in einer deutsch-dänischen Koproduktion engagierte, die überwiegend in Kopenhagen gedreht wurde, in London spielte und abgesehen von Fuchsberger nur unbekannte Vertragsschauspieler vorsah: Die Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Frosch mit der Maske“ wurde im Kino zu einem Überraschungserfolg, der weitere Krimis der Reihe nach sich zog. In dreizehn davon war Fuchsberger die Hauptfigur. In der Kinosaison 1966/67 wiesen die Filmverleiher ihn dafür als „meistbeschäftigten deutschen Filmschauspieler“ aus.

Aber da hatte Fuchsberger schon ein anderes attraktives Wirkungsfeld aufgetan: das noch junge Medium Fernsehen. „Nur nicht nervös werden“ hieß die Familienunterhaltung, in der vor laufender Live-Kamera Erwachsene wie ausgelassene Kinder Geschicklichkeitsspiele spielten und sich der smarte Spielleiter „Blacky“ beim Fernsehpublikum einen Namen machte. Zu „Blacky“ wird er übrigens schon als Jugendlicher. Auf einer Party verspricht sich eine Freundin. Aus „Jacky, bleib“ macht sie „Blacky, jeib.“ Das „Blacky“ bleibt Joachim Fuchsberger ein Leben lang.