Im Juli 2013 hatte ihn ein Schlaganfall aus der Bahn geworfen. Plötzlich war sein Sprachzentrum schwer geschädigt, und eine Lähmung zwang ihn in den Rollstuhl. Nur die Augen blieben hellwach, und wenn Freunde und ehemalige DEFA-Kollegen kamen, die ihm erzählten, dass seine Filme noch immer begeistern, dann glaubte man ein Lächeln in seinem Blick entdecken zu können.

Nachdenkliche Jugendfilme

Am Donnerstag nun ist der Regisseur Rolf Losansky 85-jährig in Potsdam verstorben. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Lebenswerk, das mehrere Generationen von Zuschauern verzauberte.

Losansky, geboren im Februar 1931 in Frankfurt an der Oder, drehte zwischen 1963 und 1998 fast zwanzig Spielfilme, die meisten davon für Kinder und Jugendliche. Sie waren komisch, verschmitzt und nachdenklich, drohten nie mit dem erhobenen Zeigefinger, nahmen die Träume, Sehnsüchte und Sorgen ihrer jungen Helden ernst. Sie brachten phantastische Elemente in den Alltag ein: sprechende Katzen, freche Gespensterfiguren, einen lebendig gewordenen Schneemann, der auf dem Schiff nach Afrika reist.

Es waren oft Filme, die Kinder in Schutz nahmen vor pragmatischen Erwachsenen und deren kühler Sachlichkeit. Dem Druck zu funktionieren, setzte Losansky den Spaß am Spiel, an der Clownerie, am prallen Leben gegenüber.

Da war „Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen“ (1964), jener Kinderkrimi nach einem Buch von Franz Fühmann, in dem muntere Knirpse einen fiesen Dieb überführen. „Blumen für den Mann im Mond“ (1975), „Der lange Ritt zur Schule“ (1982) oder „Das Schulgespenst“ (1987) übersteigerten die Alltagsrealität ins Komödiantische und Ironische: pointierte, trickreiche Gegenwartsmärchen, die auch international bejubelt wurden.

Keine Zuschauer-Frage zuviel

An der Seite der Autorin Christa Kozik gelang ihm mit „Moritz in der Litfaßsäule“ (1983) dann ein großer philosophischer Wurf: Ein verträumter neunjähriger Junge, der sich an seiner Umwelt reibt, zieht sich gleichsam in die innere Emigration zurück und zwingt Eltern wie Lehrer zur Einsicht darüber, dass es mehr geben muss als nur die Orientierung auf Leistung, Tempo, Disziplin.

Wenn Rolf Losansky einen Film beendet hatte, reiste er unermüdlich mit ihm herum. Keine Frage seiner jungen Zuschauer war ihm zu viel, im Gegenteil: Er liebte es, nahe an denen zu sein, für die er leidenschaftlich gern arbeitete. Und er freute sich selbst wie ein Kind darüber, dass er ihm immer wieder gelang, die Kinos zu füllen, bis auf den letzten Platz.